Unsere Reise neigt sich nun dem Ende entgegen.
Um 06:30 Uhr legt das Schiff in Trondheim an. Hier ist ein dreistĂŒndiger Stopp geplant, und so beschlieĂen wir, schon vor dem FrĂŒhstĂŒck noch einmal in die Stadt zu gehen. Auf dem Weg gen Norden hatten wir ja den Schwerpunkt der Besichtigung auf den Nidaros-Dom gelegt. Heute wollen wir den alten Stadtteil Bakklandet besichtigen.
Die HÀuser ziehen sich entlang des Flusses Nidelva vom Hafen aus stadteinwÀrts.






Im hafennahen Teil waren frĂŒher offensichtlich Werften und Industriebetriebe angesiedelt. Weiter flussaufwĂ€rts liegen ehemalige LagerhĂ€user, die jetzt allerdings als Wohn- und GeschĂ€ftshĂ€user ausgebaut sind.









Je nĂ€her wir der Gamle Bybro (Alten StadtbrĂŒcke) kommen, desto dominanter erscheint im Hintergrund der Turm der Nidaros-Kathedrale.






SchlieĂlich stehen wir wieder vor der Nidaros-Kathedrale und haben wegen der frĂŒhen Morgenstunde die Chance, die imposante Westfassade ohne davor aufgebaute BĂŒhne und ohne Menschenmassen zu betrachten.

ZurĂŒck zum Schiff nehmen wir wieder den bereits bekannten Weg durch die Innenstadt.





ZurĂŒck an Bord wird erst einmal ausgiebig gefrĂŒhstĂŒckt.
Danach steht wieder einmal ein Winkwettbewerb an. Diesmal kommt uns nach dem Ablegen aus dem Hafen in Trondheim die MS Nordnorge entgegen. Diesmal geht der Wettbewerb haushoch an uns. Auf dem anderen Schiff scheint man ihn komplett verschlafen zu haben.





Der weitere Tagesverlauf steht dann weitgehend im Zeichen administrativer Abwicklung. Im tÀglichen Meeting wird das Procedere der Ausschiffung morgen in Bergen besprochen und die Anweisung zum RÀumen der Kabinen am Vormittag sowie zum Handling des GepÀcks und des Transfers zum Flughafen und den Hotels besprochen.
Danach gibt es noch einmal ein sehr interessantes Q&A-GesprÀch mit dem KapitÀn, dem Leitenden Ingenieur und dem Hotelmanager.

Im GesprĂ€ch erfahren wir einige sehr interessante Hintergrundinformationen ĂŒber die Reise und den Betrieb an Bord:
- Die Strecke unserer Seereise von Bergen nach Kirkenes und zurĂŒck betrug insgesamt ca. 4975 km bzw. knapp 2700 nautische Meilen.
- Ein Reise im Sommer ist in der Regel deutlich ruhiger als im Herbst oder Winter. Von November 2024 bis MĂ€rz 2025 hat es eine Periode von 12 Reisen gegeben, in denen das Schiff wegen schlechter Wetterbedingungen nie alle HĂ€fen wie geplant anlaufen konnte.
- MS Midnatsol hat als einziges Schiff der Hurtigruten-Flotte eine Meerwasserentsalzungsanlage und bezieht sein Trinkwasser aus dem Meer. Das Wasser wird dabei nicht durch das herkömmliche Verdampfungsverfahren entsalzt, sondern durch „reverse osmosis“, bei der das Meerwasser unter hohem Druck durch eine sehr feine Membrane gepresst wird, die die Salz-Ionen ausfiltert. Pro Kopf werden ca. 220 Liter Trinkwasser pro Tag verbraucht.
- Das Schiff kann insgesamt ca. 224.000 Liter Kraftstoff bunkern. Die Menge reicht theoretisch fĂŒr zwei Törns Bergen – Kirkenes und zurĂŒck. Es wird aber vor jeder Reise in Bergen Kraftstoff gebunkert. Der Verbrauch betrĂ€gt bei der durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 15 kn ca. 220 Liter pro Stunde. Als Kraftstoff nutzt das Schiff Marine-Diesel mit einem Anteil von 30 % Bio-Sprit.
- MS Midnatsol hat keinen eigenen Landstrom-Anschluss. Dieser wird erst beim geplanten Werftaufenthalt des Schiffes nach Ende der Saison im Herbst eingebaut. Auf der Route, die Hurtigruten zwischen Bergen und Kirkenes befĂ€hrt, gibt es bislang ĂŒberhaupt nur drei HĂ€fen, in denen ein Landstrom-Anschluss möglich ist. Das sind zur Zeit Bergen, Trondheim und BodĂž. In SvolvĂŠr ist die Installation eines Landstromanschlusses in Vorbereitung.
- Das Schiff hat eine Besatzung von 85 Personen. Die Besatzung arbeitet in Schichten von 10 bis 12 Stunden. In der Regel bleiben die Besatzungsmitglieder fĂŒr zwei Törns, also 22 Tage, an Bord und haben dann 22 Tage frei. Da der Wechsel des Personals nicht ausschlieĂlich in Bergen, sondern teilweise auch in den HĂ€fen unterwegs stattfindet, ergibt sich ein rollierendes System.
- Die Besatzungsmitglieder (bis auf den KapitĂ€n) haben ihre UnterkĂŒnfte in Deck 3 des Schiffes, alle Besatzungsmitglieder haben auf MS Midnatsol Einzelkabinen. Auf anderen Schiffen der Reederei mĂŒssen sich teilweise zwei Besatzungsmitglieder eine Kabine teilen. Im Deck 2 gibt es eine eigene Messe (Speisesaal) fĂŒr die Besatzung.
- Das jĂŒngere Personal im Service arbeitet in der Regel nur fĂŒr eine Saison an Bord. Die Reederei betreibt in Kirkenes ein eigenes Recruiting-Center fĂŒr die Personalgewinnung in allen Bereichen.
- An Bord von MS Midnatsol ist die Navigationsoffizierin die einzige weibliche Offizierin. Insgesamt ist der Anteil der weiblichen Offiziere in der Reederei nicht sehr hoch. Es gibt aber mit MS Trollfjord ein Schiff der Hurtigruten-Flotte, das sowohl eine KapitĂ€nin als auch eine erste Offizierin hat. Der KapitĂ€n berichtet, dass zwar relativ viele Frauen das nautische Offiziersstudium durchlaufen, aber wenige Frauen dann tatsĂ€chlich in FĂŒhrungspositionen gelangen, weil sie – meist aus familiĂ€ren GrĂŒnden – hĂ€ufig bereits nach relativ kurzer Zeit BeschĂ€ftigungen an Land aufnehmen. Im technischen Bereich ist der Frauenanteil noch wesentlich geringer.
Wir hatten bereits den Nachrichten entnommen, dass ein fĂŒr die Jahreszeit ungewöhnlich starkes Sturmtief von Schottland kommend Kurs auf die norwegische KĂŒste nimmt. Der KapitĂ€n ergreift die Gelegenheit um uns nach der Fragestunde ĂŒber die aktuelle Wetterlage und den geplanten weiteren Verlauf der Reise zu informieren.
In der kommenden Nacht wird starker Wind aufkommen und infolge dessen sind auf unserer geplanten Reiseroute Wellenhöhen von 4,5 bis 5 Metern mit einzelnen Wellen bis zu einer Höhe von 8 Metern zu erwarten.
Das ist fĂŒr das Schiff grundsĂ€tzlich kein Problem, im Herbst sind auf den Fahrten durchgĂ€ngige Wellenhöhen von bis zu 9 Metern möglich. Da wir allerdings zu einer Zeit mit den höchsten zu erwartenden Wellen einen Bereich befahren werden, der im offenen Meer liegt, plant der KapitĂ€n im Interesse des Komforts und der Sicherheit der Reisenden den Hafen von Torvik auszulassen und einen kleinen Umweg durch FjordgewĂ€sser hinter der KĂŒste zu fahren. Dennoch wird sich an einer Stelle eine etwas lĂ€ngere Passage durch das offene Meer nicht vermeiden lassen. Wir mĂŒssen also mit – wie er es ausdrĂŒckt – etwas Rock ’n Roll rechnen. Das wird zwischen 03:00 Uhr und 05:00 Uhr nachts sein, wenn die Reisenden sowieso schlafen.
Nach dem Mittagessen fahren wir an der KĂŒste von Helgeland weiter nach SĂŒden.



Unser letzter Hafen mit Landgang vor dem Ausschiffen in Bergen ist dann Kristiansund.


Da wir hier wieder nur eine Stunde Aufenthalt haben, bleibt nur wenig Zeit fĂŒr einen kurzen Bummel durch den Ort.





Im Ort stehen zwei Bronzefiguren mit Bezug zur Fischerei. Es handelt sich zunÀchst um die Statue der Klippfisch- Frau.
Sie wurde aufgestellt als Erinnerung an alle Menschen, die hier in der Klippfisch-Fischerei tĂ€tig waren. In diesem Kontext lernen wir auch, den Unterschied zwischen Stockfisch und Klippfisch kennen: WĂ€hrend der Stockfisch einfach nur paarweise am Schwanz zusammengebunden auf den groĂen Holzgestellen zum Trocknen aufgehĂ€ngt wird, wird der Klippfisch vor dem Trocknen zunĂ€chst entlang der RĂŒckengrĂ€te aufgeschnitten und auseinandergeklappt. Dadurch entsteht die charakteristische dreieckige Form. Dann wird er mehrfach ins Meerwasser getaucht und zwischendrin immer wieder antrocknen lassen. Der auf diese Weise zunĂ€chst eingesalzene Fisch wird zum Trocknen kreisförmig auf niedrige Holzgestelle gestapelt, die in der Regel auf den felsigen Klippen standen. Daher rĂŒhrt auch der Name Klippfisch.
Die zweite Statue ist der Herings-Junge, da in der Gegend auch der Heringsfang eine bedeutende Rolle spielte.
Damit geht der Tag und auch unsere Reise nun endgĂŒltig dem Ende entgegen. Nach dem – wie ĂŒblich ausgezeichneten – Abendessen im Restaurant gönnen wir uns noch einen Kaffee und einen Absacker.
Nachts zwischen 03:00 Uhr und 05:30 Uhr wurde es dann tatsÀchlich etwas schaukelig. Der Hafen in Torvik wurde ausgelassen. Durch den Umweg hatten wir zwischenzeitlich eine VerspÀtung von 45 Minuten aufgebaut. Beim Verlassen des Hafens in FlorÞ heute Morgen hatte sich die VerspÀtung bereits auf 25 Minuten reduziert. Der KapitÀn hat uns in einer Durchsage heute Vormittag erklÀrt, dass er zuversichtlich ist, dass wir Bergen um 15 Uhr und damit nur 15 Minuten spÀter als geplant erreichen werden.
Monika und ich sind zwar nachts kurz aufgewacht, weil ich blöderweise meine Trinkflasche auf dem Tisch in der Kabine stehen lassen hatte und die runtergefallen war. Wir sind aber schnell wieder eingeschlafen und haben trotzdem gut geschlafen.
DafĂŒr scheint es wohl im Laderaum wohl ein gröĂeres Problem gegeben zu haben, denn es gab nachts GerĂ€usche die sich anhörten, als wĂŒrde dort ein gröĂerer Gegenstand durch die Gegend rutschen und immer wieder gegen die Bordwand prallen.
Der heutige Tag besteht im Prinzip nur noch aus Essen und Warten. Im Restaurant gab es wie ĂŒblich von 07:00 Uhr bis 10:00 Uhr FrĂŒhstĂŒck und direkt danach von 10:15 Uhr bis 13:00 Uhr Brunch.
Die See war auch tagsĂŒber durchaus noch mehrmals etwas unruhiger, weil wir noch offene Meeresstrecken, zum Beispiel die MĂŒndung des Sognefjords ĂŒberqueren mussten.

Durch die Scheibe des Restaurants fotografiert
Um 10:00 Uhr mussten wir unsere Kabinen rĂ€umen, damit die ReinigungskrĂ€fte an Bord sie fĂŒr die nachfolgenden GĂ€ste vorbereiten können. WĂ€hrend ich diese Zeilen schreibe, schaukeln wir nach dem Mittagessen gemĂŒtlich in Richtung Bergen. Der Regen, der sich wĂ€hrend der gesamten Reise sehr rar gemacht hat, prasselt nun gegen die Scheiben der Lounge. So fĂ€llt der Abschied leichter.
Vom Hafen in Bergen aus werden wir mit einem Bus zum Flughafen gebracht und dann fliegen wir ĂŒber Amsterdam nach Hannover zurĂŒck.



Hallo Michael,
ein wirklich toller und sehr ausfĂŒhrlicher Bericht! Ich habe einige Orte wiedererkannt, aber unsere beiden Reisen sind dann doch recht unterschiedlich. Eine groĂe Gemeinsamkeit haben wir aber doch: den Anlass der Reise! Bei uns waren es allerdings 25 Jahre.
GruĂ
Matthias
Hallo Matthias,
vielen Dank fĂŒr den netten Kommentar und herzlichen GlĂŒckwunsch nachtrĂ€glich!
In der Tat habe ich beim Lesen deines Berichts auch gedacht, dass unsere Reisen ziemlich unterschiedlich waren. Stavanger und der Lysefjord hĂ€tten mich auch gereizt und in mancher Stadt hĂ€tte ich mir tatsĂ€chlich etwas mehr Zeit gewĂŒnscht. Die Liegezeiten mit maximal drei Stunden sind schon Ă€uĂerst knapp bemessen, wenn man etwas auf eigene Faust unternehmen möchte.
Was mir beim nochmaligen Lesen deines Berichts deutlich geworden ist: Deine Fotos sind um mehrere Klassen besser als meine. Mir fehlt leider sehr hĂ€ufig der Blick fĂŒr das Motiv.
Liebe GrĂŒĂe
Michael
Guten Abend Michael,
wie angekĂŒndigt habe ich eben eure Reise angeschaut …
Toll, wie du alles dokumentiert und kommentiert hast !
Vielen Dank, dass ich auf diesem Wege dabei sein konnte đ
VG
Dietmar
Hallo Dietmar! Danke fĂŒr die RĂŒckmeldung. Ich freue mich immer sehr, wenn ich weiĂ, dass das, was ich hier schreibe, auch meine Mitleser erfreut.
LG Michael