Unsere heutige Tagestour führt uns in das Gebiet nordöstlich von Adelaide. Etwa 60 km entfernt liegt das Barossa Valley, das weltweit wohl bekannteste Weinbaugebiet Australiens. Der Hauptort des Gebiets ist das Städtchen Tanunda, das eines unserer Ziele für heute ist. Beginnen wollen wir allerdings zunächst in Krondorf.
Der Name lässt es schon vermuten: auch bei diesem Ort handelt es sich um eine deutsche Siedlung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach einer Broschüre, die wir am Sonntag im National Wine Center mitgenommen haben, soll es sich um ein sehenswertes Dorf mit viel alter Bausubstanz handeln.
Der Ort besteht aus wenigen Häusern entlang einer Hauptstraße, die wir einmal komplett in beide Richtungen abfahren. Alte Gebäude gibt es wenige, allerdings halten wir die eher für abbruchreif als für sehenswert.
Interessant ist einzig der alte Friedhof des Ortes, auf dem sich nahezu ausschließlich Gräber deutscher Auswanderer befinden.

Die Häufung einiger weniger Namen, die auf den Grabsteinen immer wiederkehren, zeigt, dass die eingewanderten Familien anfangs wohl sehr unter sich geblieben sind.
Von Krondorf fahren wir weiter nach Tanunda. Nachdem wir unser Auto geparkt haben, suchen wir zunächst die Touristeninformation des Ortes auf, in der uns eine rührige ältere Dame noch ein paar Tipps zu unserem vorgesehenen Ausflugsprogramm gibt.
Dann wollen wir als nächsten Programmpunkt das Museum des Ortes besuchen. Auf dem Weg dorthin kommen wir an der Kirche vorbei.
Bei der Kirche handelt es sich wieder einmal um eine lutheranische Kirche in dem für die Gegend so typischen Baustil des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Auf dem Gelände vor dem Gebäude befindet sich heute ein kleiner Blumengarten. Früher war hier wohl der Friedhof, der aber inzwischen nicht mehr existiert. Die Namen der Verstorbenen von den abgetragenen Grabsteinen wurden auf eine Säule übertragen, die mitten im Garten steht. Auch hier finden sich nahezu ausschließlich deutsche Namen.
Das Museum befindet sich im Gebäude des ehemaligen Telegraphenamtes, wie die Inschrift über der Tür berichtet.
Beim Museum handelt es sich um das, was man in Deutschland üblicherweise als Heimatmuseum bezeichnen würde. Die Exponate nehmen Bezug auf das alltägliche Leben der Menschen in früheren Zeiten, von der Zeit der Einwanderer in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis ungefähr zur Mitte des 20. Jahrhunderts



Breiten Raum nimmt in der Ausstellung das Thema des religiösen Lebens der Einwanderer ein, die ja überwiegend aus religiösen Gründen Deutschland verlassen mussten. Sogar ein Kirchenraum wurde nachgebildet.



In einem weiteren Raum wird schließlich Bezug genommen auf die Herkunft der deutschen Siedler und die Auswanderung selbst. Der überwiegende Teil der Siedler stammt tatsächlich aus der damaligen Provinz Schlesien des Königreichs Preußen. Auch das Dorf Kay, das uns nun schon mehrfach begegnete, ist selbstverständlich auf einer Karte mit den Herkunftsorten verzeichnet.

Zu unserer großen Überraschung sind allerdings auch in unmittelbarer Nähe zu unserem Heimatort Dörfer verzeichnet, aus denen Auswanderer stammten.

Nach dem Besuch des Museums statten wir Chateau Tanunda einen Besuch ab. Dabei handelt es sich um eines der allerersten Weingüter im Barossa Valley.

Das imposante Gebäude ist durchaus einen Blick wert. Die „Cellar Door“ lassen wir allerdings aus.
Unsere nächste Station ist der Ort Angaston. Monika hat hier bei den Vorbereitungen zur Reise eine Käserei entdeckt, die wir besuchen wollen. Da es zeitlich gerade mal wieder mit dem Mittagessen passt, gönnen wir uns auch hier eine sehr leckere Käseplatte und jeweils ein Gläschen Wein.
Nach einem kurzen Gang durch den Ort fahren wir weiter zum Mengler Hill Lookout, einem Aussichtspunkt auf der Kuppe eines Hügels. Die Dame in der Touristeninformation hatte uns diesen Ort empfohlen, weil man hier von der Höhe aus einen schönen Blick über das Barossa Valley haben soll. Der Blick wird jedoch dadurch erheblich getrübt, dass es – gerade als wir oben ankommen – wie so oft an diesem Tag leider wieder heftig zu regnen beginnt.

Der überwiegende Teil der zu erkennenden landwirtschaftlichen Flächen sind trotz der unterschiedlichen Färbungen Rebflächen
Von dort fahren wir weiter nach Bethany. Auch bei diesem Ort soll es sich um ein pittoreskes altes Dorf handeln, so jedenfalls die Meinung der Dame in der Touristeninformation. Aber auch hier treffen wir die gleichen Feststellungen wie bereits heute Morgen in Krondorf. Sehenswertestes Gebäude ist wiederum die Kirche des Ortes.
Schließlich besuchen wir noch das Weingut Seppeltsfield. Auch dieses Weingut war – wie Chateau Tanunda -eines der ersten Weingüter im Barossa Valley. Sein Gründer war ein deutscher Einwanderer namens Joseph Seppelt.
Seppelt war in Preußen Tabak- und Likörproduzent gewesen und wegen unsicherer politischer und wirtschaftlicher Umstände 1850 nach Südaustralien ausgewandert. Eigentlich wollte er hier ebenfalls Tabak anbauen, musste aber sehr schnell feststellen, dass das erworbene Land dafür nicht geeignet war.
Er kaufte ein neues Stück Land und als der Tabakanbau dort wieder misslang, legte er dort unter anderem einen kleinen Weinberg an. Die Trauben verarbeitete er zunächst in der Molkerei seiner Frau zu Wein und medizinischem Alkohol. Er verstand es sehr geschickt, das Weingut schnell in ein aufstrebendes Unternehmen zu verwandeln. Seine Nachfolger, allesamt Söhne der Familie Seppelt, waren – wie Seppelt selbst – sehr sozial eingestellt. Alle etwa 100 Beschäftigten des Weinguts erhielten jeden Tag ein Frühstück und ein warmes Mittagessen.
Als der Absatz des Weins in den Zeiten der großen Depression Ende der 1920er und in den 1930 Jahren massiv einbrach, wurden die Arbeiter weiter dort beschäftigt und damit beauftragt, entlang der Zufahrtsstraßen zum Weingut Palmen zu pflanzen. Die Palmenalleen säumen noch heute kilometerlang die Zufahrten zum Weingut.




Zusammen mit den dermaßen eingerahmten Rebflächen ergibt sich ein sehr reizvolles Bild.
Inzwischen ist das Weingut nicht mehr in Familienbesitz. Es führt zwar immer noch ein Nachfahre von Joseph Seppelt die Geschäfte, allerdings wurde das Gut in eine Aktiengesellschaft überführt, die auch mehrfach den Besitzer wechselte. Das Weingut ist inzwischen der größte Weinproduzent Australiens.
Wo wir nun schon einmal dort sind, lassen wir uns schweren Herzens auch noch zu einer Weinprobe überreden.


Die Probe bestätigt für uns leider, was die obige Beschreibung zum heutigen Weingut bereits vermuten lässt: Beim angebotenen Wein handelt es sich um hochpreisige (überteuerte?) Massenware. Trotzdem war es ein nettes Erlebnis!
Nach dem Besuch des Weinguts machen wir uns dann auf den Weg zurück zu unserem Appartement in Adelaide, wo wir am späten Nachmittag wieder eintreffen.
Abends gibt es dann noch ein leckeres Abendessen im benachbarten Pub.






Das Gefühl der Massenware hatte ich bei vielen der südaustralischen Weingüter auch oft! Vielleicht, weil es insgesamt eine kommerziellere Region ist, als manche andere Weingegenden hier in Australien.
Einerseits kommerziell, andererseits aber auch die pure Menge. Ich war erschrocken über die riesigen Rebflächen. Das ist schon deutlich mehr als im Hunter Valley. Und Seppelfields bezieht auch noch Trauben aus dem Claire Valley.