Während der Nacht legt das Schiff jeweils für einen kurzen Stopp in Bodø und Ørnes an. Dafür lohnt es sich aber nicht, aufzustehen.
Nach den vielen verschiedenen Eindrücken der letzten Tage lassen wir es heute etwas ruhiger angehen. Es stehen auch nicht so viele Aktivitäten auf dem Tagesprogramm wie in den letzten Tagen.
Trotzdem müssen wir relativ früh aufstehen, denn gegen 08:45 Uhr steht erneut die Überquerung des Polarkreises an, diesmal natürlich in südlicher Richtung. Vor diesem Ereignis möchten wir gefrühstückt haben, um hinterher nicht in zeitliche Bedrängnis zu kommen.
Kurz vor dem angekündigten Ereignis versammeln sich bereits viele Reisende auf dem Oberdeck. Um 08:46 Uhr passiert die MS Midnatsol dann erneut die kleine Insel Vikingen, auf der der Globus aufgestellt ist, in südlicher Richtung.

Auch diese Mal wird eine kleine Zeremonie veranstaltet. Allerdings gibt es keine Taufe mit Eis, wie auf der nordgehenden Reise, sondern jeder Passagier bekommt – soweit er möchte – vom Kapitän und vom Hotelmanager einen Löffel Lebertran verabreicht.
Was tut man nicht alles für ein lausiges Souvenir, und so nehme auch ich diese Prozedur auf mich.
Der Hotelmanager meint es besonders gut mit mir und nötigt mir gleich noch einen zweiten Löffel Tran auf. Den Löffel dürfen die Gäste danach als Souvenir behalten.
Kurz vor Mittag legt MS Midnatsol im Hafen von Sandnessjøen an. Hier liegen wir eine halbe Stunde. In dieser Zeit bekomme wir in einer kleinen Gruppe die Gelegenheit, die Brücke des Schiffs zu besichtigen. Der Sicherheitsoffizier sowie der zweite Offizier geben uns einige Erläuterungen dazu.







Nach dem Mittagessen sehen wir schon wieder einmal sieben Schwestern, diesmal allerdings nicht als Wasserfälle, sondern als Felsformation.

Bei der Ausfahrt aus Sandnessjøen sind die Schwestern noch vollständig zu sehen. Bei der Annäherung werden dann leider immer einige der Bergspitzen von tief hängenden Wolken verdeckt.



Unter Zuhilfenahme von Passagieren erzählt Sundre vom Expeditionsteam dann die Geschichte der sieben Schwestern in Form eines kleinen Theaterstücks.

In Norwegen lebten einstmals zwei sehr mächtige Trollkönige. Einer lebte auf den Lofoten, der zweite im Bergland an der Grenze zu Finnland. Sulitjelmakongen, der Troll aus den Bergen, hatte sieben sehr schöne Töchter. Vågekallen, der Troll von den Inseln hatte einen wilden Sohn, den Hestmannen. Um die Töchter in Schach zu halten, engagierte der Troll aus den Bergen eine Nanny namens Lekamøya, die noch viel schöner war als die Töchter selbst.
Eines Abends schaute Hestmannen über den Vestfjord und sah Lekamøya und die sieben Schwestern nackt im Meer baden. Als sie Hestmannen sahen, versuchten sie, zu fliehen. Hestmannen jagte hinter ihnen her. Die Schwestern hätten wohl Hestmannen zum Gatten genommen. Deshalb ließen sie sich nebeneinander am Ufer nieder. Hestmannen wollte aber nur Lekamøya haben. Als er merkte, dass er sie nicht erreichen konnte, schoss er einen Pfeil hinter ihr her, um sie zu töten. Der König der Sømnaberge hatte das beobachtet und um Lekamøya zu schützen, warf er seinen Hut in die Flugbahn des Pfeils. In dem Moment ging die Sonne auf und wie alle Trolle, die bei Sonnenaufgang nicht in ihren Höhlen sind, versteinerten alle Beteiligten.
Am späteren Nachmittag laufen wir in den Hafen von Brønnøysund ein. Hier haben wir eine Stunde Aufenthalt, die wir für einen Spaziergang durch die Stadt nutzen.
Wir befinden uns hier in der Mitte von Norwegen. Von Brønnøysund aus beträgt die Entfernung sowohl nach Lindesnes am südlichsten Punkt des Landes als auch zum Nordkap jeweils 840 Kilometer.
Das erste, was mir beim Weitergehen auffällt, ist das extrem klare Wasser im Hafenbecken. Das Wasser ist so klar, dass man sogar die Fischbrut im Hafenbecken sowie die Seesterne am Grund erkennen kann.


Dann geht es weiter in den Ort.



Besonders beeindruckend ist für mich die Kirche aus dem Jahr 1870.

Eine Kirche gab es hier bereits im 12. Jahrhundert. Die heutige Kirche ist mindestens die vierte Kirche an dieser Stelle. Zwei Vorgängerbauten aus Holz brannten 1772 und 1886 jeweils nach Blitzeinschlägen ab.



Am Hut des Königs der Sømnaberge fahren wir kurz vor dem Abendessen vorbei. Es handelt sich um den Berg Torghatten, den Berg mit dem Loch. Damit wir den richtigen „Durchblick“ bekommen, fährt der Kapitän sogar einen kleinen Umweg.

Weil bereits heute für einen größeren Teil von Reisenden, die schon morgen in Trondheim das Schiff verlassen, der letzte Abend ist, findet das Farewell-Menü und die offizielle Verabschiedung durch den Kapitän und die Offiziere heute Abend statt.
Unsere Abendessen-Gruppe ist für 18:15 Uhr in die Explorer-Lounge auf Deck 8 im vorderen Teil des Schiffes eingeladen. Es gibt ein (kostenloses!) Glas Sekt.

Der Kapitän hält die Abschiedsrede.

Danach stoßen alle an, wobei die Offiziere sehr bald wieder verschwunden sind.
Wir genießen unser vorletztes Abendessen an Bord, das heute Abend zur Feier des Tages nicht nur drei, sondern sogar vier Gänge hat.
Nach dem Abendessen und einem kurzen Hafenaufenthalt in Rørvik lauschen wir noch den Gesangsdarbietungen von zwei Männern aus der Crew, die den Reisenden norwegische Volkslieder und andere Traditionals vortragen.
Damit geht wieder einmal ein ereignisreicher und erfüllter Tag zu Ende.



