Heute geht es in die Inselwelt vor der KĂŒste Nordnorwegens. Hier liegen die Inselgruppen der VesterĂ„len und der Lofoten, die wir heute besuchen werden.

Nach einem spĂ€ten FrĂŒhstĂŒck beginnt der Tag mit der Durchfahrt durch die RisĂžyrenna, einen Kanal, der im Jahr 1922 eingeweiht wurde und eine bedeutende Verbesserung in den Schiffsverbindungen von der Insel AndĂžya in Richtung des nordnorwegischen Festlands brachte.

Einfahrt in die RisĂžyrenna

FrĂŒher war das Wasser hier so flach, dass man bei Ebbe mit einem Pferd von einer Insel zur andern reiten konnte. Der Kanal ist 4,8 km lang und hatte zunĂ€chst eine Breite von 50 Metern und eine Wassertiefe von vier Metern. Mit den zunehmend grĂ¶ĂŸer werdenden Schiffen wurde der Kanal auf 100 Meter Breite verbreitert und auf eine Wassertiefe von 6 Metern vertieft. Da die Midnatsol einen Tiefgang von etwas ĂŒber 5 Metern hat, ist die Durchfahrt trotzdem navigatorisch eine Herausforderung.

WĂ€hrend der Fahrt durch den Kanal wird ein Team fĂŒr Notmanöver auf dem Vorschiff bereitgehalten.

Team fĂŒr Notmanöver

Wie flach das Wasser außerhalb der Fahrrinne ist, kann man vom Oberdeck aus an der Farbe des Wassers erkennen, die neben der Fahrrinne deutlich heller ist als in der Fahrrinne selbst.

Deutlich hellere Wasserfarbe neben der Fahrrinne

Kurz vor der Durchfahrt durch die AndĂžybrua, die die Insel AndĂžya mit der Insel RisĂžya verbindet, legen wir im Hafen von RisĂžyhamn an. Der Hafen ist der kleinste auf der gesamten Strecke der Hurtigruten.

Blick auf die AndĂžybrua

Nach kurzem Aufenthalt geht es weiter in Richtung SĂŒden. Wir unterqueren die AndĂžybrua und fahren in Richtung Sortland.

Blick zurĂŒck auf die AndĂžybrua

Wir genießen strahlenden Sonnenschein bei Temperaturen deutlich ĂŒber der Marke von 20°C auf dem Sonnendeck.

Unterwegs passieren wir mal wieder eine der unzĂ€hligen Fischfarmen, die es hier in der norwegischen Fjord- und Inselwelt zu Hunderten gibt und in denen ĂŒberwiegend Lachs, aber auch Meerforellen aufgezogen werden.

Fischzuchtanlage im RisĂžysund

Die Jungfische werden zunĂ€chst fĂŒr 12 bis 15 Monate in SĂŒĂŸwasserbecken an Land gehalten und dann schließlich fĂŒr weitere 15 bis 18 Monate in den NetzkĂ€figen im Salzwasser. FĂŒr die NetzkĂ€fige gilt, eine Regel, dass nie mehr als 2,5 Prozent des Rauminhalts durch die Fische belegt sein darf. 97,5 Prozent mĂŒssen Wasser sein.

Als nĂ€chsten Hafen laufen wir Sortland auf der Insel LangĂžya an. Vor einigen Jahren wurde hier ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, um die Stadt attraktiver zu machen. Der Vorschlag, der das Rennen machte war ziemlich einfach: Man sollte einfach mehr Farbe in die Stadt bringen, weil die GebĂ€ude ĂŒberwiegend eintönig grau waren. Die Wahl fiel schließlich auf die Farbe blau, und so wird Sortland heute auch die blaue Stadt genannt.

Monika und Ingrid unternehmen einen Bummel durch die Stadt und bringen EindrĂŒcke mit.

Detlef und ich verlassen hier das Schiff, da wir einen Ausflug zu einer FĂŒhrung durch das Museum der Hurtigruten gebucht haben. Das Museum befindet sich in Stokmarknes, das als nĂ€chste Hafen angelaufen wird. Um aber im Museum mehr Zeit zu haben, werden wir mit dem Bus dorthin gefahren.

WĂ€hrend der etwa halbstĂŒndigen Fahrt zu Museum erzĂ€hlt uns ein einheimischer Guide einiges zum Leben der Menschen auf den VesterĂ„len. Die Landschaft ist hier landwirtschaftlich geprĂ€gt. Getreideanbau auf den Insel ist so gut wie nicht möglich. Allerdings lassen sich Kartoffeln und WurzelgemĂŒse sowie Kohl sehr gut kultivieren.Auch Viehwirtschaft ist möglich, wobei die Schafe in den Monaten Mai bis August auf FreiweideflĂ€chen in den Bergen gehalten werden. Dennoch sind auch hier die Fischerei und der Tourismus die wesentlichen Lebensgrundlagen der Menschen.

Landwirtschaftliches Anwesen auf den VesterÄlen

Das Museum zeigt sehr informativ die Geschichte der Reederei.

Hurtigrutenmuseum in Stokmarknes

KernstĂŒck der Ausstellung ist das Motorschiff Finnmarken, das von 1656 bis 1993 fĂŒr die Reederei im Dienst war. Das Schiff wurde nach Außerdienststellung von der Reederei an eine private Stiftung verkauft und in Stokmarknes an Land gebracht. Das Schiff war zunĂ€chst nur mit Planen ĂŒberspannt, spĂ€ter wurde ein Wellblechdach darĂŒber gebaut. Es gab aber immer wieder Probleme mit Regenwasser, sodass sich der Zustand immer weiter verschlechterte. Das heutige Museum wurde schließlich 2019 / 2020 um das Schiff herum gebaut. Leider war es nicht möglich, das Schiff in der Halle im Ganzen zu fotografieren.

Wir bekommen im Museum eine FĂŒhrung und haben dann noch die Möglichkeit, die MS Finnmarken in weiten Bereichen auf eigene Faust zu erkunden. Dazu gehören natĂŒrlich auch ein Besuch auf der BrĂŒcke und im Funkraum.

ZurĂŒck an Bord wartet dann gleich das nĂ€chste Highlight des Tages. Wir durchfahren den Raftsund, eine der landschaftlich schönsten Strecken auf der Reise.

Da heute eine Attraktion die nĂ€chste jagt und man kaum noch weiß, wohin man schauen soll, folgt als nĂ€chstes der Tengelfjord. Hier gibt es eine besonders große Population von Seeadlern. Diese Vögel wurden in Norwegen – wie fast ĂŒberall auf der Welt – noch vor nicht allzu langer Zeit noch bejagt. Erst als der Bestand auf nur noch ca. 20 Brutpaare zurĂŒckgegangen war, wurden die Vögel unter Schutz gestellt. Heute gibt es wieder ĂŒber 200 Brutpaare in diesem Bereich.

Vom Schiff aus wird eine Seeadler-Safari angeboten. Dazu kommt wÀhrend der Fahrt ein kleineres Boot lÀngsseits und nimmt die Reisenden, die diese Safari gebucht haben, auf.

Wir bleiben allerdings an Bord der MS Midnatsol und fahren weiter. Die Entscheidung war genau richtig, denn auch wir können bereits nach kurzer Zeit die erste Seeadler sehen.

Von dem kleinen Boot aus werden die Vögel angefĂŒttert, sodass sie dort dichter herankommen und man sicherlich die besseren Fotos machen kann. Mir gefĂ€llt es allerdings wesentlich besser, die Vögel in ihrem natĂŒrlichen Habitat zu sehen.

Durch den sehr engen Swartsund fÀhrt das Schiff dann wieder in Richtung des Tollfjords.

Durchfahrt durch den Swartsund

Die Fahrt in den Trollfjord mit dem Wendemanöver an dessen Ende lÀuft dann genau so ab wie auf dem Hinweg.

Fahrt in den Trollfjord

In Folge der hohen Temperaturen der vergangenen Tage fĂŒhrt einer der beiden WasserfĂ€lle am Ende des Trollfjords heute wesentlich mehr Wasser als auf der Hinfahrt. Er wird offensichtlich vom Schmelzwasser der darĂŒber liegenden Gletscher gespeist.

Wasserfall am Ende des Trollfjords

Danach geht die Fahrt weiter sĂŒdwĂ€rts. Der nĂ€chste Hafen, den wir anlaufen, ist SvolvĂŠr. Hier verlassen wir das Schiff fĂŒr einen erneuten Ausflug. Wir haben eine Busrundfahrt ĂŒber drei Lofoteninseln gebucht. SvolvĂŠr selbst liegt auf der Insel AustvagsĂžya. ZunĂ€chst fahren wir in das Fischerdorf HenningsvĂŠr und bummeln durch das Dorf.

Lofoten in a nutshell: Berge, Boote, bunte HĂ€user

Über die Insel GimsĂžy fĂŒhrt die Fahrt dann weiter durch die wirklich atemberaubend schöne Landschaft der Lofoten auf die Insel VestvĂ„gĂžy.

Schließlich erreichen wir am spĂ€ten Abend den Hafen von Stamsund, wo unser Ausflug exakt in dem Moment endet, als die MS Midnatsol in den Hafen einlĂ€uft. So können wir das Anlegemanöver ausnahmsweise einmal nicht von Deck, sondern von der Kaimauer aus ansehen.

MS Midnatsol legt im Hafen von Stamsund an.

Von Michael