Heute ist er also da, der große Tag und der eigentliche Grund für unsere Reise. 79 Jahre verheiratet, verteilt auf zwei Paare…
Da der nächste Hafenaufenthalt erst am späten Vormittag ansteht, können wir heute mal wieder etwas länger schlafen. Als der Wecker klingelt, legt das Schiff gerade in Havøysund an. Wir treffen uns danach zu einem späten Frühstück gegen 08:45 Uhr im Restaurant.
Um den Tag gebührend zu beginnen bitte wir einen Ober, uns vier Gläser Prosecco zum Frühstück zu servieren. Die Bitte scheint sehr ungewöhnlich zu sein (obwohl wir auch schon an vorangegangenen Tagen Sektgläser auf Frühstückstischen gesehen haben). Der Ober muss sich tatsächlich erst einmal vergewissern, ob er uns tatsächlich den Prosecco zum Frühstück servieren darf. Aber schließlich bekommen wir unseren Wunsch erfüllt und können gemeinsam auf den 40. und den 39. Hochzeitstag anstoßen.
Der erste längere Hafenaufenthalt findet heute in Hammerfest statt. Hammerfest galt lange als die nördlichste Stadt Europas. Im Jahr 1998 hat jedoch auch Honningsvåg den Status einer Stadt erhalten und auch Longyearbyen auf Spitzbergen hat – obwohl der Ort nur 2000 Einwohner zählt – den Status einer Stadt erhalten.
Bevor wir den Hafen erreichen passieren wir die Insel Melkøya. Anders als der Name vermuten lässt, spielt auf dieser Insel allerdings nicht Milch eine entscheidende Rolle, sondern eine andere Flüssigkeit.

Auf der Insel befindet sich eine Anlage, in der aus einem unterseeischen Gasfeld in der Barentssee gefördertes Gas über eine fast 150 km lange Pipeline hierher transportiert, dann prozessiert und schließlich durch Abkühlung verflüssigt wird. Das Gas wird dann als LNG mit Tankschiffen abtransportiert und weltweit exportiert.
Die Anlage steht nicht nur in Norwegen in der Kritik. Der norwegische Staat nimmt für sich in Anspruch, besonders umweltfreundlich und nachhaltig zu sein und hat erst im April diesen Jahres seine Klimaziele für 2035 gegenüber der UNO noch einmal verschärft. Tatsächlich erzeugt Norwegen seinen Strom zu weit über 90 Prozent aus regenerativen Energien, überwiegend aus Wasserkraft.
Das auf Melkøya prozessierte Gas wird in Norwegen selbst also gar nicht benötigt. Durch den Export trägt Norwegen allerdings dazu bei, dass andere Staaten weiterhin fossile Energieträger nutzen können und dadurch erheblich zur Klimakrise beitragen. Durch den Verkauf des Gases profitiert der norwegische Staat letztendlich davon.
Gegen 11.00 Uhr macht die MS Midnatsol in Hammerfest fest. Wir haben hier keinen der angebotenen Ausflüge gebucht, sondern erkunden die Stadt auf eigene Faust.
Unser erster Weg führt uns zur Kirche. Auf dem Weg dorthin begegnen wir mitten in der Stadt bereits eine Gruppe von Rentieren.

Dann erreichen wir auch schon die Kirche.
Die Architektur der Kirche kann man durchaus als eigenwillig bezeichnen. Der Architekt hat hier die Form der Gestelle aufgenommen, auf denen der Klippfisch getrocknet wird.
Innen ist die Kirche nach meiner Einschätzung sogar beeindruckender als die Eismehrkathedrale in Trondheim.




Wir setzen unseren Stadtbummel fort und kommen dabei an zwei weiteren Kirchen vorbei. Zunächst handelt es sich um die Bykirka.

Praktisch um die Ecke stehen wir dann vor der katholischen Kirche St. Mikael.

Die Kirche nimmt für sich in Anspruch, die nördlichste katholische Kirche der Welt zu sein.

Auf unserem weiteren Weg durch die Stadt besuchen wir den Musikpavillon, die Polar Bear Society und das Rathaus.





Es herrscht strahlender Sonnenschein und das Thermometer am Rathaus zeigt hier – 200 km nördlich des Polarkreises – eine Temperatur von 22°C an. Der kluge Norweger ist selbstverständlich darauf vorbereitet.


Schließlich halten wir uns noch eine Weile im Hafen auf und nehmen dort ein paar Eindrücke mit.





Bei der Ausfahrt aus dem Hafen haben wir dann fast noch einen besseren Blick auf die Kirche als direkt in der Stadt.

In der Stadt selbst sind wir immer wieder Rentieren begegnet. Ein wenig haben wir uns an die allgegenwärtigen Kängurus in Australien erinnert gefühlt.




Selbst an Bord gab es dann Rentier.

Nachmittags legt das Schiff noch einen kurzen Stopp im Hafen von Øksfjord ein.
Während das Schiff im nächsten Hafen von Skjevøy festmacht, gehen wir zum Abendessen. Wir hatten den Oberkellner vorher gefragt, ob wegen des besonderen Anlasses unser Tisch ein wenig geschmückt werden kann. Das ist dann wirklich sehr schön gelungen.

Wir bekommen als Aperitif einen Sekt auf Kosten der Reederei, mit dem wir auf den besonderen Anlass anstoßen.

Das nachfolgende Menü ist dem Anlass sehr würdig.






Kurz vor Mitternacht legt das Schiff dann erneut in Tromsø an. Als krönenden Abschluss des Tages besuchen wir hier ein Mitternachtskonzert in der Domkirche.

Eine Sopranistin wird von Klavier bzw. Orgel und Saxophon begleitet und bietet überwiegend traditionelle nordnorwegische Lieder dar. Das war ein wirklich toller Abschluss des Tages.
