Unser heutiges Hauptziel ist der Hafen von Kirkenes. Bevor wir diesen erreichen, laufen wir allerdings seit dem Hafen von Kjøllefjord gestern Nachmittag in der Nacht noch fĂźnf weitere Häfen an. Kurz vor dem Abendessen gestern Abend haben wir den Hafen von Mehamn erreicht. Mehamn liegt auf 71° 2′ nĂśrdlicher Breite und ist damit tatsächlich der nĂśrdlichste Hafen, den wir auf dieser Reise anlaufen. Er liegt nĂśrdlicher als HonningsvĂĽg aber sĂźdlicher als das Nordkap.

Danach geht die Reise weiter Ăźber die Häfen von BerlevĂĽg und BĂĽtsfjord nach Vardø. Das ist mit 31° 6′ Ăśstlicher Länge der Ăśstlichste Hafen auf unserer Reise. Hier haben wir – dann bereits auf dem RĂźckweg – heute Nachmittag noch einmal angelegt, daher später mehr dazu.

Schließlich folgt noch der Hafen von Vadsø, bevor wir um 09:00 Uhr den Hafen von Kirkenes (spricht sich Ăźbrigens „Schirkenes“) erreichen. Der Ort liegt nur etwa 10 Km von der russischen und etwa 35 km von der finnischen Grenze entfernt.

Willkommen in Kirkenes

Da uns die russische Grenze nicht besonders interessiert, haben wir aus dem angebotenen Ausflugsprogramm heute eine Wanderung gebucht. Wir versammeln uns nach dem Anlegen auf der Pier und unter FĂźhrung unserer Guide Anette geht es los.

Warten auf Anette

Die Wanderung fßhrt uns zunächst in den Ort. Auf dem Parkplatz eines Ürtlichen Supermarkts in der Nähe des Anlegers erzählt uns Anette etwas ßber den Ort. Dabei fällt auf, dass die Schilder an dem Supermarkt zweisprachig in norwegischer und russischer Sprache beschriftet sind.

Zweisprachige Beschriftung an einem Supermarkt

Anette erklärt dazu, dass vor dem Beginn des Ukraine-Kriegs fßr die Bewohner eines Streifens von 35 km beiderseits der Grenze ein kleiner Grenzverkehr mÜglich war. Sowohl von russischer als auch von norwegischer Seite aus konnte man beliebig oft in das andere Land einreisen, allerdings auch nur in einen Bereich von 35 km beiderseits der Grenze. Das wurde ßberwiegend fßr Einkäufe genutzt, wobei die Norweger in Russland ßberwiegend Alkohol und Treibstoff eingekauft haben, während die Russen in Norwegen Kaffee, Schokolade und Babywindeln einkauften.

Durch den Ort geht es dann weiter bergauf auf den Hßgel ßber der Stadt zu einem Aussichtspunkt. Anette gibt immer wieder Erläuterungen und es besteht die MÜglichkeit, Fotos zu machen.

Fotostopp

Unterwegs kommen wir an Holzhäusern vorbei, die sich auffällig ähneln. Diese Häuser wurden in den 1940er Jahren nach dem Abzug der deutschen Truppen aus Norwegen hier erbaut. Die deutschen Truppen verfolgten beim Abzug vor den vorrĂźckenden russischen Truppen eine Taktik der verbrannten Erde. Die BevĂślkerung wurde – soweit sich die Menschen nicht in Wäldern oder anderswo versteckt hielten – zwangsumgesiedelt. Die DĂśrfer und Städte wurden komplett gesprengt oder niedergebrannt.

Nach der Befreiung Nordnorwegens durch die russischen Truppen wurden in großer Zahl neue Wohnhäuser für die Menschen benötigt, die in ihre nun völlig zerstörten Heimatorte zurückkehrten. Die Hilfe kam damals aus Schweden. Die Schweden lieferten in kurzer Zeit und großer Zahl standardisierte Holzhäuser, die in Bauteilen angeliefert und auf Betonfundamenten errichtet wurden.

Holzhaus im Schwedenstil

Vom HĂźgel Ăźber dem Ort blicken wir dann auf Kirkenes herunter.

Blick von oben auf Kirkenes mit MS Midnatsol im Hintergrund

Danach geht es weiter auf kleinen Pfaden in die Natur. Unterwegs Ăźberqueren direkt vor uns in einer Kurve vier Rentiere den Weg. Leider kĂśnnen wir sie nur noch fotografieren, als sie bereits im GebĂźsch verschwinden.

Blick auf GebĂźsch mit Rentierpo

An einem kleinen See machen wir schließlich eine Kaffeepause.

Kaffeepause am See

Einer unserer Mitwanderer traut ich sogar, ein Bad im See zu nehmen.

Jens badet im See

Nach der Pause geht es dann weiter durch ein Hochmoor und über felsige Abschnitte, bis wir wieder die Straße zum Ort erreichen.

Die Landschaft, durch die wir wandern, ist recht abwechslungsreich. Hier wachsen ßberwiegend Birken und an manchen Stellen auch Fichten. Die Bäume sind allerdings nicht wirklich hoch, sondern deutlich niedriger als bei uns.

Dann gibt es aber auch wieder Stellen mit weiten, offenen Flächen. Der Boden ist – wie im Moor Ăźblich – sehr weich. Häufig habe ich das GefĂźhl, Ăźber einen sehr dicken Teppich zu laufen. In den Senken sammelt sich auf dem moorigen Boden häufig Wasser und es wächst Wollgras..

Auf und zwischen den Steinen wächst die Flechte, die den Rentieren insbesondere im Winter als Nahrung dient. Die Rentiere sind in der Lage, diese Flechten selbst unter dicken Schneeschichten zu riechen.

Rentierflechte

Die Gegend ist auch reich an Beeren. Wir essen Blaubeeren direkt vom Strauch. Darßber hinaus finden wir Preiselbeeren und die besonders seltenen und daher teuren Moltebeeren. Die Besonderheit bei den Moltebeeren ist, dass immer nur eine Beere an einer Pflanze wächst. Leider sind beide Arten von Beeren noch nicht reif.

Bei den vielen Dingen, die es zu sehen gibt und bei den vielen Erläuterungen von Anette vergeht die Zeit sehr schnell. Am Schluss mßssen wir uns ziemlich beeilen, um rechtzeitig vor Abfahrt des Schiffs wieder an Bord zu sein.

Mit der Abfahrt in Kirkenes haben wir den Wendepunkt der Reise erreicht. Obwohl das Schiff den Hafen nun zunächst wieder in nÜrdlicher Richtung verlässt, gelten wir nun als sßdgehend, da unser Zielhafen Bergen ja im Sßden Norwegens liegt.

Unser nächstes Ziel ist den Hafen von Vardø, den wir ja bereits in der Nacht angelaufen hatten Ab hier laufen wir nun alle Häfen, die wir nordgehend bereits angelaufen haben, in umgekehrter Reihenfolge noch einmal an. Vorteil dabei ist, dass wir viele Häfen, die wir nordgehend „verschlafen“ haben weil wir nachts dort waren, nun bei Tageslicht sehen. Auch finden die längeren Liegezeiten nun Ăźberwiegend in anderen Häfen statt als auf dem Hinweg.

Auf dem Weg zum Hafen von Vardø

Kurz vor der Einfahrt in den Hafen werden wir von einem Seehund begrüßt, der plötzlich neben dem Schiff auftaucht. Außerdem schwimmen im Hafenbecken viele Papageientaucher.

Leuchtturm auf dem Molenkopf der Hafenmole in Vardø
Fischerboote im Hafen von Vardø

Vardø ist ein recht kleiner Hafen. Hier haben wir auch nur etwas weniger als eine Stunde Aufenthalt. Die Zeit reicht aber, um von Bord zu gehen und einmal die Festung Vardøhus zu umrunden.

Festung Vardøhus

Die Festung ist heute in Form einer achteckigen Zitadelle gebaut und stammt in dieser Form aus dem 18. Jahrhundert. Eine Festung gibt es an gleicher Stelle aber bereits seit dem 13. Jahrhundert.

Nach der Runde um die Festung reicht die Zeit auch noch fĂźr einen kurzen Bummel durch den Ort.

Eine etwas eigenwillige Architektur weist die Kirche von Vardø auf, mit einem sehr hohen und spitzen Turm.

Kirche von Vardø

Während unseres Abendessens legt das Schiff in Bütsfjord und am späteren Abend in Berlevüg an. In der Nacht werden dann die Häfen von Mehamn und Kjøllefjord sowie am sehr frßhen Morgen wieder Honningsvüg angelaufen.

Von Michael

2 Gedanken zu „Letztes Dorf bei Grenze“
  1. Ihr scheint ja echt GlĂźck zu haben mit dem Wildlife, dass ihr so viele Rentiere, Delfine, Seehunde, Papageientaucher, … sehen konntet!
    Und bei den wilden Blaubeeren wäre ich wahrscheinlich nur gebückt und beidhändig stopfend weitergelaufen 😀 Die Landschaft erinnert mich ein bisschen an Südfinnland.

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