Seit langer Zeit war sie schon überfällig, heute konnte ich sie endlich mal realisieren – eine neue Etappe auf dem Sigwardsweg. Mit der heutigen Etappe will ich die Lücke in der Südroute schließen, also das fehlende Stück zwischen Bückeburg und Porta erwandern.
Ich mache mich also nach dem Frühstück auf zum Haster Bahnhof, um den Regionalexpress nach Bückeburg zu nehmen. Als ich gegen 08:05 Uhr zuhause losgehe, wird der Zug in der Fahrplan-App noch pünktlich angezeigt. Als ich dann gegen 08:20 Uhr am Bahnhof ankomme, werden bereits 10 Minuten Verspätung angezeigt. Als der Zug endlich in den Bahnhof rollt, kann man schon von weit entfernt hören, dass er offensichtlich eine massive Flachstelle an einem Rad im vorderen Drehgestell des Triebfahrzeugs hat. Es rumpelt so heftig, dass ich ernsthaft überlege, ob ich überhaupt noch einsteige. Ich überwinde mich dann aber doch. Mit fast 15 Minuten Verspätung fährt der Zug dann los, schleicht aber mit maximal 60 km/h durch die Landschaft. Als ich in Bückeburg aussteige, hat sich die Verspätung schließlich auf 25 Minuten summiert.
Am Bahnhof Bückeburg starte ich meine Aufzeichnung und beginne meine heutige Etappe. Erstes Ziel ist das Schloss Bückeburg, wo der Sigwardsweg für mich heute beginnt. Vor dem Eingangstor zum Schloss steht heute kein Cerberus, sodass ich ungehindert durchgehen kann.


Vor der Brücke über den Schlossgraben sehe ich die erste Wegmarkierung
Ich will heute bewusst mal nicht nach der Navigation des Smartphones gehen, sondern ausschließlich der Ausschilderung folgen. Das klappt zunächst auch ganz wunderbar.
Ich umrunde das Schloss halb gegen den Uhrzeigersinn und folge dann der Beschilderung auf den Wegen durch den Schlosspark. Kurz vor dem Erreichen der Mausoleumswiese biegt der Weg nach links in Richtung Hofwiesen ab.
An den Hofwiesenteichen vorbei erreiche ich kurze Zeit später die Herminenquelle.

Durch das Naturschutzgebiet Hofwiesen gehe ich weiter in Richtung der Bundesstraße 83, die ich kurz darauf über eine Fußgängerbrücke überquere. Dann führt der Weg weiter durch die Felder, bereits leicht ansteigend, nach Kleinenbremen. Hier befinde ich mich bereits in Nordrhein-Westfalen und auf dem Gebiet der Stadt Porta.
Ich folge weiter der Ausschilderung, die mich zur Kirche in Kleinenbremen führt.

Wäre ich der Routenanweisung des gpx-Files von der Webseite zum Sigwardsweg gefolgt, wäre ich hier gar nicht vorbeigekommen.
Die Kirche wurde in den Jahren 1894 bis 1896 im neugotischen Stil erbaut. Ein Vorgängerbau wurde dafür abgerissen, lediglich der Turm bleib stehen, wurde aber auf stolze 60 Meter erhöht. Eine Kapelle gab es an dieser Stelle bereits im 15. Jahrhundert.
Durch den Ort geht es dann weiter bergauf. Oberhalb des Ortes erreiche ich die Sportanlagen.

Der Name der Sportanlage deutet auch hier auf die geschichtliche Vergangenheit des Ortes hin. Bergbau spielte hier eine bedeutende Rolle, allerdings wurde nicht – wie im Bückeberg oder im Deister – Steinkohle abgebaut, sondern eisenerzhaltiges Gestein. Dieses Gestein wird heute allerdings nicht mehr in Hochöfen verhüttet, sondern lediglich zerkleinert und als Beimischung für verschiedene Baustoffe verwendet.
Am Sportplatz stehe ich zunächst etwas ratlos vor der Wegmarkierung, bis mir klar wird, dass ich tatsächlich den Hartplatz der Anlage diagonal überqueren soll, um direkt dahinter in den Wald zu gehen, wo sich der Weg fortsetzt.
Nun geht es steil bergauf, aber bereits nach 20 Minuten Gehzeit und etwa 100 Höhenmetern habe ich den Kamm der Wülpker Egge erreicht. Der Weg führt hier direkt an einem Steinbruch entlang, in dem das erzhaltige Gestein im Tagebau abgebaut wird.

Am Rande des Wegs hat jemand aus den roten Steinplatten, die hier überall herumliegen, eine kleine Pyramide aufgeschichtet.
Der Weg führt dann weiter, immer am Rand des Steinbruchs entlang. Dabei ergeben sich wegen der klaren Sichtverhältnisse, die heute herrschen, fantastische Weitblicke in die norddeutsche Tiefebene.



In der Ferne ist sogar der heimische Kalimanjaro zu sehen.

Etwa einen Kilometer weiter ergibt sich dann von einer Aussichtsplattform etwas abseits des Gebirgskamms aus ein ähnlicher Weitblick zur anderen Seite des Berges in Richtung des Teutoburger Waldes.

Dann führt mich meine Wanderung zunächst moderat, später durchaus stärker abfallend hinunter in den Ortsteil Nammen. Im Ort ist die Laurentiuskapelle mein nächste Ziel.

Im 12. Jahrhundert wurde im nahen Röcke – heute ein Stadtteil von Bückeburg – von einem Einsiedlermönch eine Waldkapelle errichtet. Mitte des 14. Jahrhundert haben die Bewohner von Nammen die damals nicht mehr genutzte Kapelle in Röcke abgetragen und in Nammen wieder aufgebaut. Knapp 200 Jahre später, im Jahr 1523, wurde dieser Vorgängerbau durch die jetzige Kapelle ersetzt. Es handelt sich bei dieser Kapelle um Deutschlands älteste Fachwerkkapelle.
Zunächst wieder etwas ratlos suche ich dann bei der Kapelle nach der nächsten Wegmarkierung. Schließlich kommt mir die Idee, ein an einem Laternenpfahl angebrachtes Plakat eines Wanderzirkus etwas näher in Augenschein zu nehmen, und siehe da: dahinter befindet sich die Wegmarkierung mit dem Pfeil, der mir die weitere Richtung weist. Ich verdrehe das Plakat so, dass auch nachfolgende Wanderer die Markierung finden können und setze meinen Weg fort. Dabei gelange ich wieder bergauf aus dem Ort heraus und in den Wald hinein.
An einer Weggabelung sehe ich zunächst keine Wegmarkierung und folge also dem Weg, auf dem ich mich befinde. Irgendwie sagt mir aber nach kurzer Zeit mein Gefühl, dass ich doch noch einmal etwas genauer hinsehen sollte. Ich kehre also zu der Weggabelung zurück und finde nach kurzer Suche tatsächlich einen völlig von Gebüsch überwucherten Holzpfahl mit der Wegmarkierung in genau den anderen Weg als den ursprünglich genommenen.
Bereits etwa 500 Meter weiter komme ich erneut an eine Weggabelung. Auch hier suche ich erneut, diesmal allerdings wirklich erfolglos nach einer Wegmarkierung. Schließlich ziehe ich doch die Navigations-App zu Rate und folge dem dort angezeigten Weg. Jetzt geht es zunächst wieder bergauf und dann in stetem Wechsel immer leicht bergauf und bergab durch den Wald.
Nach einer weiteren Stunde Gehzeit erreiche ich dann endlich die Portakanzel. Dort bin ich – ehrlich gesagt – milde enttäuscht. Es handelt sich um einen kleinen, eingezäunten und unebenen Platz am Rande einer Felsklippe.



Ich hatte mehrfach von den spektakulären Ausblicken gehört und gelesen, die man von hier aus haben soll. Nach meiner persönlichen Meinung sind die Ausblicke vom gegenüberliegenden Kaiser-Wilhelm-Denkmal weit in die norddeutsche Tiefebene jedoch deutlich beeindruckender.
Meine heutige Etappe neigt sich dem Ende entgegen. Von der Portakanzel ist es nur noch ein guter Kilometer bis zum Bahnhof in Porta. Auf meinem Abstieg von der Kanzel komme ich noch an einer Stelle vorbei, an der man einen Blick von unten auf die Felsklippe werfen kann, auf der der Aussichtspunkt liegt.
An dieser Stelle holt mich einmal mehr das wohl dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte ein. Der am äußersten unteren Bildrand auf dem obigen Foto zu erkennende Zaun sperrt den Eingang zu einem Stollen ab, der von hier aus tief in den Berg reicht. Als gegen Ende des zweiten Weltkriegs in den Jahren 1944 und 1945 kriegswichtige Industrien von den Nazis zum Schutz vor Bombenangriffen an unterirdische Plätze verlagert wurden, wurden zwei hier im Jakobsberg vorhandene Stollen zunächst durch KZ-Häftlinge aus den KZ-Außenlagern in Neese und in Frettholzweg erweitert. In einem der Stollen wurde schließlich eine unterirdische Raffinerie errichtet, in dem anderen Stollen produzierte die Firma Philips Röhren für Radios und Funkgeräte.
Den Bahnhof in Porta erreiche ich gegen 14:10 Uhr. Mein Zug, der um 14:25 Uhr Richtung Minden abfahren soll, hat – wie kann es auch anders sein – 20 Minuten Verspätung, sodass ich in Minden auch die S-Bahn nicht mehr erreiche, sondern auf den nachfolgenden Regionalexpress warten muss.
Mein Fazit für heute:
- Die Ausschilderung des Sigwardswegs ist durchweg als sehr gut zu bezeichnen. Hätte ich mich an der Stelle, an der ich das Navigationsgerät zu Rate ziehen musste, für den anderen Weg entschieden, wäre ich letztendlich auch zur Portakanzel gelangt, allerdings mit einem deutlichen Umweg.
- Mit einem gebrochenen vierten Zeh am linken Fuß kann man durchaus wandern. In der Ebene und beim Gehen bergauf hatte ich keinerlei Probleme, lediglich wenn es steiler bergab ging und der Fuß im Schuh nach vorn rutschte, wurde es etwas unangenehm. Deutlich mehr Probleme hat mir gegen Schluss der Wanderung eine Stelle mit dicker Hornhaut unter dem vierten Zeh des rechten Fußes bereitet.
Die Aufzeichnung der heutigen Etappe findet ihr wie immer auf Komoot:
Mit der heutigen Etappe habe ich den südlichen Teil des Sigwardswegs komplettiert. Jetzt steht der nördliche Teil an, den ich ja von Idensen bis Bad Rehburg bereits bei meiner allerersten Etappe begonnen habe. Dort ist die Anbindung an den ÖPNV allerdings deutlich schlechter als im südlichen Teil, sodass ich bei der Etappenplanung besonders aufmerksam sein muss.
Ihr dürft gespannt sein, wie es weitergeht. Die nächste Wanderung steht – wenn Zeit und Wetter mitspielen – in der 37. KW an.


