Nachdem das Wetter in den vergangenen Tagen und Wochen eher nicht optimal war, habe ich es nun endlich geschafft, die noch ausstehende Etappe auf dem Sigwardsweg von Petershagen nach Minden zu gehen.
Nach Petershagen gelange ich wieder mit Bahn und Bus. Normalerweise hätte eine Anfahrt mit dem RE um 07:30 Uhr von Haste nach Minden gereicht. Dort hätte ich dann acht Minuten für den Umstieg auf die Eurobahn Richtung Nienburg gehabt. Wegen der bekannt hohen Zuverlässigkeit der Bahn entscheide ich mich allerdings dafür, schon mit der S-Bahn um 07:00 Uhr nach Minden zu fahren. Die Entscheidung erweist sich als goldrichtig, denn der RE hat tatsächlich so viel Verspätung, dass er in dem Moment in den Bahnhof in Minden einfährt, als die Eurobahn Richtung Nienburg, in der ich glücklicherweise ja schon sitze, abfährt.
In Petershagen-Lahde steige ich aus der Eurobahn aus, weil ich dort in den Bus umsteigen muss. Da der Bus wegen der Baustelle auf der Weserbrücke zwischen Petershagen und Lahde Verspätung hat, kann ich mich am Bahnhof noch etwas umsehen und stelle erstaunt fest, dass die Signalisierung hier auf der „NATO-Bahn“ tatsächlich noch über Formsignale erfolgt.
Der Bus bringt mich dann nach Petershagen, wo ich zunächst einen kurzen Abstecher zum Schloss mache.
Das Schloss wurde im 16. Jahrhundert im Stil der Weser-Renaissance umgebaut. Auch hier residierten einst die Mindener Bischöfe.

Danach gehe ich in die Stadt und besuche dort zunächst die St. Petri-Kirche.

Die Kirche ist – wie ich eigentlich nicht anders erwartet habe – verschlossen. Auch die Möglichkeit, einen Pilgerstempel zu bekommen, gibt es offensichtlich nicht. Also gehe ich weiter und erreiche nach einem erneuten kurzen Umweg die ehemalige Synagoge.

Danach geht es zunächst entlang der Hauptstraße und dann auf Nebenstraßen aus der Stadt hinaus. Unterwegs komme ich noch am Denkmal für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft vorbei. Bereits auf dem Weg dorthin fällt mir auf, dass es in Petershagen eine große Anzahl an Stolpersteinen für die Opfer der Nazi-Herrschaft gibt.

Der Weg überquert die B61 und führt dann zunächst durch Felder und Wiesen hinein ins Waldgebiet Heisterholz mit dem Naturschutzgebiet Kohlbrink. Vorbei am Forstamt Heisterholz geht es durch den Wald weiter in Richtung Minden.

Der Pilgerweg führt dann am Rand der Ortschaft Todtenhausen entlang und erreicht schließlich die Weser.

Ab hier folgt der Verlauf des Sigwardswegs dem des Weser(Rad-)Wegs direkt am Ufer der Weser entlang. Wegen des guten Wetters sind hier wahre Kolonnen von Radfahrenden in beide Richtungen unterwegs, was bei der geringen Breite von ca. 1,5 Metern stellenweise nicht unproblematisch ist.
Ich bin gut in der Zeit und die heutige Etappe ist mit ca. 15 Kilometern auch nicht besonders lang. Als ich mir eine Pause gönnen möchte, habe ich eine Begegnung mit einem besonders freundlichem Exemplar der Gattung Mensch. Auf der einzigen Bank weit und breit am Weserufer hat sich ein älteres Ehepaar niedergelassen. Ihre Räder haben sie nicht etwa neben der Bank, sondern auf dem ohnehin schmalen Weg abgestellt. Sie sitzen jede Person an einem Ende der Bank und haben auf einen Tuch zwischen sich ihren Proviant ausgebreitet. Auf meine freundliche Frage, ob denn auf der Bank auch noch ein kleiner Platz für mich wäre, herrscht mich der männliche Teil des Paars an: „Nein, das sehen Sie doch!“ Ich bedanke mich für die Freundlichkeit und setze meinen Weg fort.
Nach weiteren 30 Minuten sehe ich oben auf dem Weserufer die alte Mühle von Todtenhausen. Ich beschließe, den kurzen Abstecher dort hinauf zu machen und mir die sehr gut erhaltene Mühle aus der Nähe anzusehen.
Der Abstecher lohnt sich durchaus. Ich erfahre, dass die Mühle zunächst als Wassermühle an einem Bach erbaut wurde, der allerdings versiegte. Dann wurde an der gleichen Stelle eine Windmühle als sogenannter „Erdholländer“ gebaut. Es handelt sich um eine Kappenmühle, bei der sich nur die Kappe mit den Flügeln in den Wind dreht. An der Mühle finde ich auch einen Rastplatz, an dem ich meine Pause machen kann.
Nach der Pause setze ich meinen Weg am Weserufer fort und erreicht gegen Mittag die Schachtschleuse in Minden.

Auf einer „Himmelsliege“ am Ufer mache ich meine Mittagspause und verzehre meinen Proviant.
Der Sigwardsweg führt dann um die Schleusenanlage herum und in Richtung auf das Wasserstraßenkreuz zu.


Nächste Station ist dann das Hauptpumpwerk. In diesem Gebäude befinden sich die Pumpen, mit denen Wasser aus der Weser in den Kanal hochgepumpt wird, um den Wasserstand im Kanal zu regulieren.

Der Weg führt weiter, wieder zum Weserufer hinunter. Dort wird der Blick frei auf das eigentliche Wasserstraßenkreuz, an dem oben der Mittellandkanal in einem Trog über die Weser geführt wird.

Entlang des Weserufers geht es dann Richtung Stadt. Durch die Fußgängerzone führt der Weg zu meinem heutigen Etappenziel, dem Mindener Dom.

Um 13:30 Uhr habe ich den Dom erreicht und damit den Sigwardsweg komplett beendet.
Da das Pilgerbüro erst um 14:00 Uhr wieder öffnet, unternehme ich noch einen kurzen Spaziergang durch die Stadt. Ich besuche die Martini-Kirche, die alte Synagoge sowie die Evangelisch-reformierte Kirche und gehe dann über den Marktplatz zum Dom zurück.





Zurück am Dom besuche ich noch das Pilgerbüro, hole mir dort meine Stempel ab und beantrage die Pilgerurkunde. Dann gehe ich zum Bahnhof und trete mit der S-Bahn den Rückweg nach Haste an.
Hier wieder der Link zur Aufzeichnung der Tour auf Komoot:
Damit habe ich nun den Sigwardsweg komplett beendet. Was kommt als nächstes? Lasst euch überraschen!
Ich werde in der nächsten Woche hier noch eine Zusammenfassung und ein paar meiner persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen teilen. Danach folgt dann erst einmal – wie bereits angekündigt – der Reiseblog aus Australien.




