Heute verlassen wir den nördlichsten Punkt unserer diesjährigen Reise durch Australien und schlagen wieder die Richtung Süden ein. Erstes Ziel für heute ist die Stadt Maryborough. In der Stadt ist eine Vielzahl historischer Gebäude erhalten geblieben, was dem Ortsbild einen besonderen Charme gibt.
Eine gewisse Berühmtheit erhielt die Stadt dadurch, dass es sich um den Geburtsort der Schriftstellerin Helen Lyndon Goff handelt. Besser bekannt ist sie unter ihrem Pseudonym P. L. Travers und sie ist die Frau, die Mary Poppins schuf.
Die Figur der Mary Poppins tritt in der Stadt an allen möglichen Stellen – bis hin zu den Figuren auf den Fußgängerampeln – in Erscheinung.


Das ist aber nicht der Grund für unseren Besuch, sondern – wie oben erwähnt – die historischen Gebäude im Stadtbild. Wir unternehmen einen Spaziergang durch die Stadt und stellen fest, dass sie durchaus einen Besuch wert ist.








Etwas länger verweilen wir beim Bond House.

Bei diesem Gebäude handelt es sich um ein altes Zollhaus, das im Jahre 1864 erbaut wurde. Seinerzeit war Maryborough einer der bedeutendsten Häfen in Queensland, obwohl die Stadt gar nicht an der Küste liegt. Der Mary River, an dem sie Stadt liegt, war aber zu jener Zeit auch für seegehende Schiffe schiffbar und so entstand dort der Hafen. Alle Güter, die für die Provinz Queensland eingeführt wurden und zollpflichtig waren, wurden dort gelagert und erst nach der Verzollung ausgeliefert. Heute befindet sich im Gebäude ein kleines Museum, das wir uns anschauen.






Schließlich besuchen wir auch noch das Rathaus der Stadt.

Ein besonderes Erlebnis ist dort ein Besuch der öffentlichen Toilette. Die Toilettenanlagen wurden in ihrem Inneren von verschiedenen Künstlern ausgestaltet. Diese künstlerische Ausgestaltung ist so einzigartig, dass Menschen hierher nicht (nur) kommen, weil sie ein dringendes Bedürfnis verspüren, sondern weil die Anlage so besonders ist.




Dann kehren wir der Stadt den Rücken und fahren weiter nach Süden. Kurz hinter Gympie, wo wir am Sonntag das Museum besichtigt haben, biegen wir von der Autobahn ab und fahren auf den Blackall Mountains Range Drive, einen Scenic Drive, also eine besonders sehenswerte Touristenstraße.
Mittags erreichen wir Kenilworth. Bereits auf dem Weg dorthin fällt auf, dass Milchwirtschaft hier in der Gegend eine besondere Rolle spielt. Während auf dem Highway noch die Zuckerrohrfelder links und rechts der Straße dominierten, gibt es hier ausgedehnte Weideflächen, auf denen große Rinderherden grasen. Passenderweise führt uns unser Hunger dann zur Kenilworth Dairy, also der örtlichen Molkerei, an die ein Café angeschlossen ist.
Neben einem Sandwich mit Hähnchen teilen wir uns eine Box mit acht Proben des hier hergestellten ausgesprochen leckeren Käses.

Zum Nachtisch gibt es noch ein Karamelltörtchen mit Walnüssen und weil man unsere Kaffeebestellung dazu vergessen hat, zur Entschuldigung zwei Becher Pudding.
Dann setzen wir unseren Weg nach Maleny fort. Hier fließt ein Bach durch den Ort, an dem man dem Vernehmen nach durchaus eine gewisse Chance hat, eines der Signatur-Tiere Australiens, nämlich das Schnabeltier oder Platypus, wie es hier heißt, zu sehen.
Der Bach heißt Obi Obi Creek und ist nach Ubie Ubie benannt, einem Krieger aus dem Volk der Gubbi Gubbi, die hier vor dem großen Landraub beheimatet waren. Am Bach entlang führt ein Boardwalk, also ein hölzerner Pfad. Gleich die erste Info-Tafel thematisiert den Landraub. Bis ca. 1860 lebten die Aborigines hier im Frieden und in Eintracht mit der Natur. Als dann die britischen Siedler kamen, wurden die ausgedehnten Wälder, die das Land bedeckten, abgeholzt und schließlich, als kein Holz mehr zu verkaufen war, die Flächen für Weide- und Ackerland gerodet. Die Aborigines wurden – wie überall anders auch – gewaltsam von ihrem Land vertrieben.





Wir spazieren am Bach entlang, aber bis auf ein Loch, bei dem es sich um den Eingang zu einer Wohnhöhle der Tiere handeln könnte, sehen wir nichts. Darum besuchen wir noch eine Aussichtsplattform am anderen Ende des Ortes, die explizit zur Beobachtung der Schnabeltiere errichtet wurde.



Leider zeigen sich auch hier keines der Tiere. Die einzigen Tiere mit Schnabel, die wir zu Gesicht bekommen, sind zwei Enten im Bach.

Auf dem Rückweg zu unserem Auto sehen wir dann doch noch ein Exemplar der seltenen Tiere. Das ist allerdings aus Stein gehauen und gehört zu einer Reihe von Exponaten örtlicher Künstler, die entlang des Weges aufgestellt sind.
Schließlich fahren wir weiter nach Landsborough, wo wir für die heutige Nacht ein Zimmer in einem Bed & Breakfast gemietet haben.
Bereits vor unserer Ankunft hatte Monika eine Nachricht mit einer detaillierten Anfahrtbeschreibung von der Wirtin bekommen, weil das Haus etwas außerhalb des Ortes liegt. Darin bittet sie uns, besonders auf die zahlreichen Kängurus aufzupassen, die in der Umgebung zuhause sind. Tatsächlich sehen wir bei der Anfahrt eine Vielzahl von Tieren rechts und links der Straße.



Die sehr freundliche Wirtin gibt uns den Tipp, zum Abendessen den örtlichen Pub aufzusuchen. Dort ist immer mittwochs der 2 für 1-Tag. Für ein reduziertes Angebot an Speisen gilt, dass man zwei Gerichte auswählen kann, aber nur den Preis für das teuerste Gericht bezahlt. So komme ich in den Genuss eines perfekt medium gebratenen 300 Gramm Porterhouse-Steaks mit Pfeffersoße, Salat und Pommes. Monika isst ein scharf gewürztes thailändisches Fischgericht. Zusammen bezahlen wir den sagenhaften Preis von 50 australischen Dollar, also 31 €.





Wie Rebecca sagt: Schade, dass ihr keine Schnabeltiere sehen konntet.
Dafür sieht das Steak um so leckerer aus und ich bin auch nur ganz leicht neidisch 😀
Schade, dass die Schnabeltiere sich nicht blicken lassen haben, aber falls es euch tröstet: es gibt auch viele Menschen, die hier aufgewachsen sind und noch nie eins gesehen haben, die Viecher sind extrem scheu, und leider auch selten, weil viele Bäche nicht mehr sauber genug sind.
Das Steak sieht ja super lecker aus!