Heute haben wir uns Fahrräder geliehen und machen eine Fahrradtour um den Lake Burley Griffin.
Die Idee, in Canberra künstliche Seen anzulegen entstand bereits im Jahr 1912. Die australische Bundesregierung hatte seinerzeit einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben, den der britische Architekt Walter Burley Griffin gewonnen hat. Griffins Plan sah vor, in der Stadt mehrere Seen in geometrischen Formen anzulegen. Durch Planänderungen der Regierung und nachfolgend die Weltwirtschaftskrise und den zweiten Weltkrieg wurden die Pläne allerdings nicht umgesetzt. Erst Ende der 1950er Jahre nahm man die Pläne wieder auf. Die Arbeiten am 33 Meter hohen Scrivener-Damm, der den durch die Stadt fließenden Molonglo River aufstaut, begannen im Jahre 1960. Im September 1963 waren die Arbeiten beendet. Durch eine Dürreperiode wurde der Zielwasserstand der Seen allerdings erst im April 1964 erreicht.
Der See besteht aus drei Becken, dem West Lake, der durch den Staudamm abgeschlossen wird, dem Central Basin und dem East Basin. Wir beginnen unsere Tour am East Basin und fahren gegen den Uhrzeigersinn um die Seen.
Erstes markantes Highlight am Weg ist das National Carrillion, das nationale Glockenspiel.
Das Glockenspiel befindet sich in einem 50 Meter hohen Turm, der auf der Queen Elisabeth II-Insel im See steht. Es wurde der australischen Bevölkerung von der britischen Regierung anlässlich des 50jährigen Jubiläums des australischen Staates geschenkt. Im Turm befinden sich 57 Glocken, die einen Tonumfang von fast fünf Oktaven haben.
Das Glockenspiel spielt alle 15 Minuten entsprechend der jeweiligen Zeit den Westminster-Schlag.




Nach dem Glockenspiel besuchen wir das National Police Memorial. Auf einem kleinen Hügel befindet sich dieses Denkmal für die im aktiven Dienst ums Leben gekommenen Angehörigen der acht australischen Polizeikräfte.

Dieser Besuch hat mich tief beeindruckt. In der im Hintergrund verlaufenden Wand befinden sich verschiedene Bronzequader. Auf vielen dieser Quader sind die Namen und Lebensdaten der Getöteten eingraviert. Auf den Steinelementen davor befindet sich eine Sammlung von Zitaten und kurzen Nachrufen auf einzelne Personen.


Vorbei am National Memorial für die in den beiden Weltkriegen getöteten Angehörigen der australischen Handelsmarine geht es weiter um den See.

Im Anschluss verlassen wir den Rundweg um den See, um uns die ANZAC-Parade anzusehen. Dabei handelt es sich um eine Straße in direkter Verlängerung der Sichtachse vom neuen Parlament über das alte Parlament hinauf auf einen Hügel.

Beiderseits der Straße befinden sich Memorials (Denkmäler) zum Andenken an unterschiedliche Kriege, Krisen und kriegerische Auseinandersetzungen, in die die australischen Streitkräfte involviert waren. Hier nur eine kleine Auswahl der einzelnen Memorials.





Am ende der Straße, auf der Kuppe des Hügels, befindet sich das Australian War Memorial, die nationale Gedenkstätte für alle in den verschiedenen Kriegen und kriegerischen Auseinandersetzungen getöteten Angehörigen der Streit- und Sicherheitskräfte.

In wie vielen Ereignissen die australischen Streitkräfte zum Einsatz kamen, wird am Memorial der Royal Navy (Bild 2 der obigen Galerie) deutlich. Dort stehen rechts und links des Denkmals zwei Bronzetafeln, in denen die Kriege und Konflikte aufgelistet sind.


Wir kehren dann zum Seeufer zurück. Vorbei am Denkmal für Captain Cook setzen wir unseren Weg fort.


Zum Denkmal gehört auch die Fontäne, die wir bereits vom Glockenspiel aus gesehen haben.

Damit haben wir den West Lake, den dritten Teil des Sees erreicht. Unsere Mittagspause machen wir im Café des National Museums. Wir fahren danach weiter über die Black Mountain Halbinsel von der aus sich ein schöner Blick über die gesamte Länge der Seen ergibt.

Der weitere Weg wird dann recht beschwerlich. Es ist mittlerweile nach 14:00 Uhr und wir sind schon seit deutlich über vier Stunden unterwegs. Der Wind hat stark aufgefrischt und bläst uns jetzt direkt entgegen. Außerdem war der bisherige Streckenverlauf eher flach, jetzt müssen wir mit unseren Rädern den einen oder anderen Hügel erklimmen.
Schließlich haben wir den Staudamm und damit das westliche Ende der Seen erreicht.

Jetzt haben wir zwar den Wind wieder überwiegend im Rücken, aber die Hügel werden nicht weniger. Wir passieren den Amtssitz des australischen Premierministers. Das Gelände ist allerdings hermetisch abgeriegelt, sodass wir nur ein Foto aus weiter Ferne machen können.

Weiter geht es am Ufer entlang, bis wir unter der Waterloo Bridge hindurch wieder das Central Basin erreichen. Der Bereich hier gehört zum Regierungsviertel. Vorbei an der National Library (Nationalbibliothek) machen wir einen Abstecher zum alten Parlamentsgebäude.

An der National Gallery und der National Portrait Gallery vorbei fahren wir wieder zum Seeufer hinunter, um unseren Weg fortzusetzen. Dabei kommen wir am International Flag Display vorbei. Hier wehen an Flaggenmasten insgesamt 108 Flaggen aller Staaten, die eine diplomatische Präsenz in Canberra haben.

Unter der Brücke der Kings Avenue hindurch erreichen wir wieder das East Basin und haben damit unsere Runde um die Seen komplettiert.
Zum Untertitel meines Blogs: Zählt mal bitte nach, an wie vielen „National“-Items wir heute vorbeigekommen sind. Und das war sicherlich nur ein kleiner Teil aller Sehenswürdigkeiten, die in Canberra „National“ sind. Fehlt eigentlich nur noch der National Restroom. 😄
Hier zeige ich wieder die Strecke, die ich auf Komoot aufgezeichnet habe. Sie besteht aus zwei Teilen, da ich nach der Mittagspause im Nationalmuseum zunächst vergessen hatte, die Aufzeichnung fortsetzen zu lassen. Dann habe ich den falschen Knopf gedrückt, sodass ich den ersten Teil gespeichert und nicht fortgesetzt habe. Darum musste ich den Rest dann in einem zweiten Teil neu starten.
Am Anfang, zwischen dem ersten und dem zweiten Teil und auch am Schluss der Tour fehlt jeweils etwa ein Kilometer der Aufzeichnung, sodass wir insgesamt auf etwa 47 km Fahrtstrecke gekommen sind.

Das waren ja wirklich sehr viele „Nationals“ 😄 Sieht aber alles in allem nach einer netten Tour aus!
Ja, insgesamt war es eine nette Tour. Nur der Wind war stellenweise etwas lästig.