Für den heutigen Tag haben wir eine Tagestour auf den größten Sandhaufen der Welt gebucht. Die Tour geht auf die Insel K’Gari oder – wie die britischen Eroberer sie einst nannten – Fraser Island. Die Insel ist 123 Kilometer lang und im Durchschnitt 15 Kilometer breit und besteht vollständig aus Sand. Damit ist sie die größte Sandinsel der Welt.

Vor etwa zwei Millionen Jahren erhob sich hier ein flacher Felsen vulkanischen Ursprungs aus dem Wasser. An seiner Ostseite wurde vom Pazifik Sand angespült. Der stetige Ostwind hat dann diesen Sand von der Ostküste abgetragen und immer weiter über den Felsen geweht, bis er schließlich die westliche Küste erreichte. Dadurch wurde die Insel ständig größer. Nach und nach siedelten sich erste Pionierpflanzen an, die immer mehr wurden und schließlich war die Insel vollständig bewaldet. Dieser Prozess hält auch heute noch an. Es wird an der Ostküste immer noch mehr Sand angespült, als wieder verloren geht.

Die Tour, die wir gebucht haben, beginnt mit der ersten Fähre um 08:30 Uhr ab River Heads. Wir werden schon um 07:20 Uhr in der Nähe unserer Unterkunft bei der örtlichen Jugendherberge abgeholt.

Der Bus fährt dann noch verschiedene Stationen im Ort an, bevor er sich auf den etwa 15 Kilometer langen Weg zum Fähranleger in River Heads macht.

Dort angekommen, geht es dann zu Fuß auf die Fähre, die uns zur Insel bringt.

Das Beladen der Fähre ist spannend zu beobachten: Die Autos, die zur Insel wollen, müssen rückwärts auf die Fähre fahren, weil diese nur auf einer Seite eine Rampe zum Beladen hat. Dann legt die Fähre ab und nach etwa 45 Minuten Fahrzeit erreichen wir den Fähranleger in Kingfisher Bay auf K’Gari.

Bereits beim Einsteigen in den Bus der uns abholte wurden wir verschiedenen Gruppen zugeteilt. Wir gehören zum Team Orange und unser Guide ist Dean. Nach der Ankunft auf der Insel besteigt jede Gruppe einen „Bus“, mit dem wir die Rundfahrt über die Insel unternehmen. Dean fährt auch selbst den Bus.

Bei den „Bussen“ handelt es sich um allradgetriebene hochgelegte Fahrzeuge. Dean erklärt uns, dass das Unternehmen, das die Fahrten anbietet, bei MAN in Deutschland LKW-Fahrgestelle kauft, auf die dann eigene Karosseriebauer die Buskarosse aufbauen.

Die Fahrt geht los, und bereits kurze Zeit später wird uns klar, warum hier diese Fahrzeuge benötigt werden: Es gibt keinerlei befestigte Straßen auf der Insel, sondern lediglich Sandpisten.

Die Pisten sind überwiegend einspurig und zum großen Teil auch nur für eine Fahrtrichtung freigegeben. Auf den Abschnitten, die für Gegenverkehr freigegeben sind, gibt es hin und wieder Ausweichstellen. Wenn sich zwei Fahrzeuge begegnen, muss ein Fahrzeug meistens bis zur nächsten Ausweichstelle zurücksetzen.

Von Kingfisher Bay am Westufer der Insel, wo wir angekommen sind, geht die wilde Fahrt zunächst einmal quer über die Insel zur Ostküste nach Eurong. Während der Fahrt dorthin lernen wir von Dean viel über die Geschichte der Insel.

K’Gari war bis zum Jahr 1867 ausschließlich vom indigenen Volk der Butchulla bewohnt. Diese Menschen leben noch heute nach drei grundlegenden Prinzipien:

  • „Whatever is good for the land comes first.“ Was auch immer gut für das Land ist, geht vor.
  • „If you have plenty, you must share.“ Wenn du viel hast, musst du teilen.
  • „Do not touch or take anything that does not belong to you.“ Berühre nichts oder nimm dir nichts, das dir nicht gehört.

Nach diesen strengen Prinzipien lebten die Butchulla im Einklang mit der Natur.

1867 kamen wegen des Waldreichtums Holzfäller auf die Insel, die begannen, die dort in großer Zahl wachsenden Bäume abzuholzen. Seit dieser Zeit lebte kein indigener Bewohner mehr auf der Insel. Dean stellt es so dar, als sein die Butchulla freiwillig gegangen. Anzunehmen ist wohl eher, dass sie gewaltsam dort vertrieben wurden.

Die Holzfäller, darunter viele Amerikaner, fällten zunächst nur die Bäume, deren Holz sich gut verkaufen ließ. Darunter befand sich überwiegend das Hartholz aus dem subtropischen Regenwald, der einen Teil der Insel einnimmt. Sie suchten große, gerade wachsende Bäume aus, die überwiegend im Schiffbau Verwendung fanden.

Das gefällte Holz auf dem sandigen Inselboden zur Küste zu transportieren, wo es von Schiffen abgeholt wurde, bereitete wegen des losen Sandbodens große Schwierigkeiten. Zunächst wurden Pferde und Ochsen als Zugtiere eingesetzt. Bis zu zwölf Tiere waren notwendig, um einen einzigen der riesigen Stämme zu bewegen. Die Tiere brauchten aber viel zu viel Futter, das es auf der Insel nicht gab. Also ging man sehr schnell dazu über, dampfgetriebene Lokomobile zu verwenden. Da man sie nicht mit Kohle feuern konnte, die es auf der Insel auch nicht gab, feuerte man sie mit Holz. Das hatte allerdings den Nachteil, dass die holzbefeuerten Maschinen durch den Schornstein nicht nur Rauch, sondern auch Funken ausbliesen, die immer wieder zu Buschbränden führten. Der Durchbruch gelang erst, als man dieselgetriebene Fahrzeuge für den Transport des Holzes einsetzen konnte.

Die heutigen „Straßen“ der Insel folgen im Wesentlichen diesen alten Logtrails, auf denen seinerzeit das Holz transportiert wurde.

Gegen den Holzabbau auf der Insel gab es von Anfang an Widerstand. Erst 1991 – also nach über 100 Jahren – gelang es einer Naturschutzorganisation, vor dem höchsten australischen Gericht ein Urteil zu erwirken, das den holzverarbeitenden Betrieben sofort jede weitere Abholzung untersagte. Gleichzeitig musste alles, was diese Betriebe seit 1867 dort errichtet hatten, wieder zurückgebaut werden. Die Betriebe bereitete sich darauf vor, das Urteil vor internationalen Gerichten anzufechten. Die Naturschützer aber waren schneller. Sie wandten sich an die UNESCO, die die Insel schließlich zum Weltnaturerbe erklärte und so unter Schutz stellte..

In Eurong angekommen, machen wir eine kurze Pause. Dann führt uns die Fahrt auf den Strand an der am Pazifik gelegenen Ostseite der Insel, den 75 Miles Beach (75 Meilen-Strand).

Am Strand fahren wir nach Norden. Der Strand gilt hier als offizielle Staatsstraße des Bundesstaates Queensland. Es gibt Verkehrsschilder und die Geschwindigkeit ist – wie bei Landstraßen üblich – auf 80 km/h begrenzt. Während unserer Fahrt können wir sogar beobachten,dass eine Polizeistreife am Strand Fahrzeuge anhält und die Fahrer auf Alkoholkonsum überprüft.

Nach einer gewissen Zeit erreichen wir ein Feld von dunkelbraunem Gestein, das wir schon auf unserer Wanderung von Maroochydore nach Mooloolaba am Strand festgestellt hatten und von dem wir annahmen, dass es vulkanischen Ursprungs war. Von Dean erfahren wir, dass die Australier dieses Gestein „Coffee Rock“ (Kaffee-Felsen) nennen und dass es sich tatsächlich auch um Sand handelt, der durch Einwirkung von Wasser und andere chemische Prozesse quasi versteinert ist.

Da die Fahrzeuge dort, wo die Felsen einerseits bis an die Dünen und auf der anderen Seite bis ins Wasser reichen nicht darüber fahren können, gibt es hier Umleitungen durch die Dünen.

Nachdem wir eine Weile am Strand gefahren sind, sehen wir plötzlich einen Dingo am Strand entlanglaufen.

Kurze Zeit später kommen wir auf ein Kleinflugzeug zu, das am Strand steht und dort gelandet ist.

Das Flugzeug bietet 15minütige Rundflüge über die Insel zum Preis von 120 Dollar pro Person an. Es finden sich in unserem Bus tatsächlich sieben Personen, die das Angebot annehmen und mitfliegen wollen. Wir setzen derweil unsere Fahrt fort und erreichen kurze Zeit später den nächsten Stopp.

Es handelt sich um das Wrack des Dampfschiffes Maheno. Das Schiff wurde in Schottland gebaut und 1905 als Kreuzfahrtschiff in Dienst gestellt. Es befuhr die Gewässer zwischen Australien und Neuseeland. Es handelte sich seinerzeit um ein sehr luxuriöses und schnelles Schiff. Im ersten Weltkrieg wurde das Schiff zu einem Lazarettschiff umgebaut. Nach dem Krieg wurde es wieder als Kreuzfahrtschiff eingesetzt, bis es 1935 außer Dienst gestellt wurde.

Dann wurde das Schiff zum Abwracken nach Japan verkauft. Vor dem Transport dorthin wurden jedoch die Antriebsmaschinen, die Schrauben und die Ruder ausgebaut, was sich als fatal erweisen sollte. Die Maheno wurde von einem Fährschiff, das ebenfalls in Japan verschrottet werden sollte, in Schlepp genommen und machte sich auf ihre letzte Reise. Am 07. Juli 1935 geriet der Schleppverband in einen Zyklon. Die Schleppleine brach und die Maheno lief vor der Küste von K’Gari auf Grund. Alle Versuche, das Wrack dort wegzubekommen schlugen fehl und so bleib das Schiff schließlich dort liegen und verrottet nun vor sich hin.

Während wir das Wrack besichtigen, kehrt auch das Flugzeug mit den Ausflüglern zurück.

Wir setzen unsere Fahrt fort und fahren wieder nach Süden zurück. Nächste Station ist Eli Creek, ein Süßwasserbach, der hier aus dem Inneren der Insel ins Meer fließt.

Am Bach entlang führt ein Holzbohlenweg. Um diesen zu erreichen, muss man allerdings den Bach zunächst durchwaten. Hier genießen wir einen kurzen Bummel über den Steg und den Blick auf die herrliche Natur.

Wir erfahren, dass es unter der Insel eine große Süßwasserblase gibt, die ausschließlich durch Regenfälle gespeist wird. Das Regenwasser wird durch den Sand quasi gefiltert und tritt an verschiedenen Stellen in Form einer Vielzahl von Bächen wieder an die Oberfläche und fließt ins Meer zurück. Es ist kristallklar und durch die natürliche Filterung von hervorragender Qualität.

Dann kehren wir endlich nach Eurong zurück. Im dortigen Beach-Resort ist für uns das Mittagessen bereitet. Es gibt ein kalt-warmes Buffet mit vielen leckeren Speisen. Hier kommt wirklich jeder auf seine / ihre Kosten. Besonders das reichhaltige Angebot an vegetarischen und veganen Speisen hat uns beeindruckt.

So gestärkt geht es zurück in den Bus. Für de Nachmittag stehen noch zwei Programmpunkte auf dem Plan.

Zunächst fahren wir zur Central Station. Dabei handelt es sich nicht etwa – wie der Name vielleicht vermuten lässt – um den Bahnhof der Insel, sondern um das damalige Hauptquartier der Holzfäller. Von deren Ansiedlung ist ein einziges Gebäude übrig geblieben.

Es handelt sich um die ehemalige Fahrzeugwerkstatt der Holzfäller. Das Gebäude konnte als letztes nicht mehr rechtzeitig abgebaut werden und blieb an Ort und Stelle zurück. Die Butchulla sind aktuell dabei, es zu einem Museum umzubauen.

Direkt daneben steht ein zweites Gebäude.

Dabei handelt es sich um eine Replik eines der 35 Wohnhäuser, die hier ursprünglich standen und in denen die Arbeiter untergebracht waren.

Auch hier unternehmen wir mit unserem Guide noch einmal einen kurzen Spaziergang an einem Creek entlang, bei der er uns noch einige Informationen zu den Butchulla sowie zur Natur gibt.

Dann fahren wir zur letzten Station, dem Boorangoora (Wasser der Weisheit) in der Sprache der Butchulla oder Lake McKenzie in der Sprache der Eroberer. Hier handelt es sich um einen der drei großen Süßwasserseen auf der Insel. Daneben gibt es noch etwa 40 kleinere Seen auf K’Gari.

Einige mutige Menschen aus der Gruppe wagen es sogar, ein Bad im See zu nehmen, uns ist es allerdings zu kalt.

Danach gibt es dort am See noch den Nachmittagstee (oder Kaffee). Dann fahren wir nach Kingfisher Bay zur Fähre zurück.

Während die Fähre ablegt, macht uns der Kapitän auf einen Dugong (Seekuh) aufmerksam, der träge im seichten Wasser vor dem Hafen herumdümpelt.

Müde und voll verschiedenster Eindrücke und Informationen kehren wir schließlich in unsere Unterkunft zurück. Glücklicherweise können wir morgen ausschlafen.

Von Michael

4 Kommentare zu „Island in the Sun“
  1. Die Welt wäre eine Bessere, wenn alle nach den drei Prinzipien leben würden…
    Und die Natur auf der Insel sieht wirklich total schön aus! Wie gut, dass es den Naturschützern gelungen ist, den Holzabbau zu stoppen.

    1. Das stimmt definitiv. Aber insbesondere mit der zweiten Regel hat unsere Welt ja so einige Probleme.
      K’Gari ist immer einen Besuch wert. Allerdings würde ich es nicht auf eigene Faust versuchen. Allein das Fahren auf den Pisten würde ich wohl nicht hinbekommen.

      1. Das scheint ja wirklich ein interessanter Tag gewesen zu sein, auch wenn mich an solchen Orten immer der Gedanke an das, was der wunderschönen Natur so angetan wurde, traurig macht. Ich bin froh, dass ihr einen Dingo gesehen habt, die habe ich bisher nur im Zoo gesehen.

        1. Ja, die Dingos waren auch für uns eine Premiere. Wir haben dann später noch zwei gesehen.
          Es waren gestern insgesamt drei Tiere, die ich zum ersten Mal in freier Wildbahn gesehen habe: Die Dingos, dann einen White Bellied Sea Eagle, den ich aber nicht fotografieren konnte und zum Schluss der Dugong.
          Mir geht es bei solchen Dingen nicht nur um die Natur, sondern viel mehr auch um die Menschen. Ich hatte massiv das Gefühl, dass unser Guide ziemlich verharmlost hat, was den Butchulla angetan wurde

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