„In the shuffeling madness…“ Nein, verrückt war der Tag heute nicht, aber ich liebe einfach den „Atem“ einer alten Dampflok mit den besonderen Gerüchen und Geräuschen. Das ist für mich immer ein tolles Erlebnis.

In Vorbereitung auf die Reise hat Monika herausgefunden, dass es in Ouorn die Museumseisenbahn „The Pichi Richi Explorer“ gibt. An bestimmten Tagen – so auch heute – bietet die Bahn Fahrten von Quorn aus in Richtung Woolshed Flat bzw. teilweise sogar nach Port Augusta an. Planmäßige Abfahrt der Bahn war um 10:00 Uhr, aber bereits vor 09:00 Uhr, als wir noch beim Frühstück sitzen, hören wir das Pfeifen der Dampflok vom nahen Bahnhof.

Wir packen also fix unsere Sachen zusammen, beladen das Auto und fahren das kurze Stück zum Bahnhof. Als wir dort ankommen, steht der Zug schon bereit, allerdings ist noch keine Lok vorgespannt.

Abgestellter Zug – man sieht den Gepäckwagen mit Bremserabteil und den ersten Waggon, in dem wir unseren Platz haben

Die Lokomotive trifft kurze Zeit später mit dem Tender voraus (also rückwärts) aus Richtung des Betriebswerks am Bahnsteig ein.

Die aus Richtung des Betriebswerks eintreffende Dampflok

Die Lok wird vor den Zug rangiert und zur Abfahrt bereitgemacht.

Der Zug ist angespannt.

Da bis zur Abfahrt noch etwa eine halbe Stunde Zeit bleibt, habe ich genug Gelegenheit, mir die Lokomotive und das geschäftige Treiben am Zug in Ruhe anzusehen.

Die Bahn fährt zwar auf der sogenannten Kapspur mit einer Spurweite von 106,7 cm. Im Vergleich zu unserer Normalspur (143,5 cm) handelt es sich um eine Schmalspur. Der Größe und imposanten Erscheinung der Schlepptender-Lokomotive tut das aber keinen Abbruch.

Unsere reservierten Plätze sind im Wagen mit der Nummer 5. Dabei handelt es sich um einen Wagen der 1. Klasse. Die gepolsterten Sitze sind mit grünem Leder bezogen und an den Längsseiten des Waggons mit dem Rücken zum Fenster angebracht.

Blick in den noch leeren Waggon

Bis zur Abfahrt des Zuges füllt sich der Waggon dann recht stark. In jedem Waggon gibt es einen Mitarbeiter der Bahn als „Car Captain“, der für die Sicherheit und Ordnung im Wagen verantwortlich ist. Der für unseren Wagen zuständige Captain ist verwundert darüber, wie voll der Waggon ist, das sei so nicht üblich.

Pünktlich um 10:00 Uhr beginnt dann mit einem langgezogenen Pfiff aus der Dampfpfeife der Lok die Fahrt. Zuerst geht es den Berg hinauf und die Lok müht sich mächtig, den aus zehn Waggons bestehenden Zug den Berg hinaufzuziehen.

Fahrt bergauf

Dann ist schließlich der „Summit“, also die höchste Stelle des Streckenabschnitts erreicht und die Fahrt geht bergab zu unserem Wendepunkt in Woolshed Flat.

Dort angekommen wird die Lok vom Zug abgekuppelt und in der anderen Richtung wieder an die Spitze des Zuges rangiert. Da es in Woolshed Flat keine Drehscheibe gibt, auf der die Lok umgedreht werden könnte, muss eine andere Lösung her, damit sie auf dem Rückweg auch wieder „richtig“ herum und nicht mit dem Tender voran fahren kann. Deshalb wurde hier ein Wendedreieck angelegt.

Wendedreieck in Woolshed Flat

Der Zug kommt auf dem Gleis von der Mitte des oberen Bildrandes. Er bleibt im Gleis an der langen Seite des Dreiecks stehen. Dort wird die Lok abgekuppelt. Die Lok fährt dann über die Weiche in der linken unteren Ecke des Bildes. Die Weiche wird umgestellt und die Lok fährt rückwärts in die Kurve am unteren Bildrand bis über die Weiche in der unteren rechten Ecke des Bildes. Dann wird auch diese Weiche umgestellt und die Lok kann nun vorwärts in Richtung des oberen Bildrandes fahren. Wenn sie das Hauptgleis wieder erreicht hat, fährt sie wieder rückwärts vor den Zug, wird angekuppelt und kann den Zug dann in der Gegenrichtung wieder zurück zum Ausgangsort ziehen.

Die Lokomotive im Wendedreieck

Die Strecke selbst wurde ja bereits in den 1870er Jahren angelegt und 1879 eröffnet. Auf dem Abschnitt zwischen Qourn und dem Summit überwindet die Bahn einen Höhenunterschied von knapp 50 Metern. Dann geht es nach Woolshed Flat etwa 120 Meter hinunter, bzw in der anderen Richtung wieder hinauf. Die Strecke hat in beiden Richtungen eine Steigung von maximal 16 Promille. Zum Vergleich: Die Geislinger Steige, die als die steilste Eisenbahn-Hauptstrecke Deutschlands gilt, hat eine maximale Steigung von 22,5 Promille. Das bedeutet, dass sich unser Zug bergauf ganz schön mühen muss.

Mit Volldampf bergauf

Auf der Hinfahrt haben wir im zweiten Wagen des Zuges direkt hinter dem Gepäckwagen gesessen. Durch die umgekehrte Reihung des Zuges haben wir nun einen tollen Blick auf nahezu die gesamte Länge des Zuges, was gerade bei Kurvenfahrten ein schönes Bild ergibt. Wir sehen aber an einer besonders steilen Stelle bei der Bergauffahrt auch, dass die Räder der Lok einmal durchdrehen.

An mehreren Stellen auf der Strecke passiert der Zug enge Einschnitte in den Felsen, was ebenfalls ein reizvolles Bild ergibt.

Nebenbei genießen wir natürlich auch noch die Schönheit der Landschaft, durch die wir fahren. Menschen, mit denen wir im Zug ins Gespräch kommen berichten uns, dass es seit 40 Jahren wohl nicht mehr so grün gewesen ist, wie im Moment.

Gegen 13:00 Uhr ist der Zug dann wieder in Quorn angekommen.

Wir machen und nun auf den Weg zu unserer nächsten Station der Reise nach Hawker. Auf der etwa 60 km langen Fahrt dorthin merken wir dann, dass wir tatsächlich im Outback angekommen sind. Zwischen den beiden Orten liegt … NICHTS! Monika meint dazu: „Stell dir vor, du fährst von Wunstorf nach Minden und dazwischen liegt nicht ein Ort.“

Kilometerlang schnurgerade führt die Straße durch die Landschaft, ohne dass irgendwo eine Ansiedlung oder ähnliches zu sehen wäre.

In Hawker angekommen erleben wir leider einen „leichten“ Kulturschock.

Unsere Unterkunft ist das Hawker Hotel / Motel. Das Hotel ist das einzige im Ort und wir haben es über ein großes Buchungsportal im Internet gebucht. Nach einer Tafel, die auf die historischen Besonderheiten im Ort hinweist, ist das Hotel im Jahr 1882 gebaut worden. Leider vermittelt es sowohl außen als auch innen den Eindruck, als sein seit dieser Zeit hier nichts mehr verändert worden. Mangels Alternative werden wir leider zwei Nächte hier verbringen müssen.

Der Spaziergang durch den Ort fällt recht kurz aus. Dennoch wollen wir ihn nicht ausfallen lassen.

Interessant sind für mich noch die ehemaligen Bahnanlagen.

Etwas entschädigt werden wir dann noch durch einen phantastischen Sonnenuntergang.

Von Michael

4 Kommentare zu „Locomotive Breath“
  1. Aha, bei der Bahn hat es dann für die Erste Klasse gereicht… in Ebermannstadt mussten wir in der Holzklasse sitzen 😀 Das sieht aber wirklich nach einem tollen Ausflug aus, auch wenn die arme Lokomotive sich anscheinend ganz schön abrackern musste!

  2. Die langen geraden Stecken ohne Zivilisation fand ich auch immer faszinierend. Von Wilcannya nach Broken Hill zum Beispiel fährt man etwa zweieinhalb Stunden durch komplette Leere.

    1. Kurioserweise haben wir heute festgestellt, dass die Zivilisation hinter Hawker in Richtung Norden dann wieder dichter wird. Dort liegen wenigstens ab und zu mal einzelne Anwesen an der Straße.

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