… und uns liegt’s auch im Blut. (Sorry, aber es muss ja auch mal Musik für die Mitlesenden der älteren Generation dabei sein.)
Für heute habe wir uns zwei Wanderungen in den Flinders Ranges nördlich von Hawker vorgenommen. Doch bevor es losgeht, müssen wir uns natürlich erst einmal stärken. Nach den katastrophalen Erfahrungen im Restaurant des Motels beim gestrigen Abendessen, bei dem sich das Personal völlig überfordert zeigte, frühstücken wir auswärts. Dazu suchen wir ein benachbartes Café auf. Monika entscheidet sich für French Toast, ich nehme Eier mit Schinken auf Toast.


Das Frühstück ist phänomenal und verspricht einen hervorragenden Start in den Tag.
Dann fahren wir ca. 40 km weit in den Norden, wo unsere erste Wanderung startet. Wir wollen den Arkaroo Rock besuchen, an dem es Höhlenmalereien vom Volk der Adnyamathanha, der in dieser Region ansässigen australischen Ureinwohner gibt.
Der Weg selbst ist mit 3 km nicht besonders lang und die auf dem Hinweisschild angegebene Zeit von 2 Stunden für Hin- und Rückweg scheint uns recht konservativ gerechnet zu sein. Allerdings stellen wir nach dem Losgehen fest, dass es buchstäblich über Stock und Stein geht.
Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel, die Temperaturen sind mit etwa 15°C sehr angenehm zum Wandern und es herrscht eine himmlische Ruhe um uns herum. So kommen wir auf unserem Weg gut voran.
Wir erfreuen uns an den Naturschönheiten, die wir am Wegesrand finden.






Schließlich erreichen wir Arkaroo Rock. Es handelt sich hier um zwei Felsen, die jeweils einen bogenförmigen Überhang bilden. An den Innenseiten der Felsen sind bzw. waren jeweils Felszeichnungen der australischen Ureinwohner aufgemalt. Durch Vandalismus wurden die Zeichnungen an dem Felsen, den wir zuerst erreichen jedoch fast vollständig zerstört bzw. entfernt.




Beim zweiten Felsen sind die Zeichnungen deutlich besser erhalten und so hat man die Höhle, die der Felsen bildet, mit einem Gitter abgesperrt.

Das eiserne Gitter, mit dem die Höhle abgeschlossen ist, ist kunstvoll mit zwei Schlangen verziert. Dass die Regenbogenschlange für die australischen Ureinwohner eine besondere Bedeutung hat, haben wir bereits bei dem Aboriginal Walkabout auf unserer Reise im Jahr 2024 gelernt.

Auf einer Tafel vor der Höhle sind die einzelnen Elemente der Zeichnungen erläutert.

Die Zeichnungen selbst sind äußerst faszinierend anzusehen.





Nachdem wir die Malereien ausgiebig angesehen haben kehren wir zum Parkplatz zurück. Wir haben für den gesamten Weg einschließlich der ausgiebigen Betrachtung der Malereien etwa eineinhalb Stunden gebraucht, die reine Gehzeit betrug ca. 45 Minuten.
Anschließend fahren wir weitere 20 km zu unserem nächsten Ziel.
Die Bergkette der Flinders Ranges formt an dieser Stelle ein riesiges ovales Becken, den Wilpena Pound oder in der Sprache der Ureinwohner Ikara.

Auf dem Satellitenbild ist das Becken sehr gut zu erkennen.
Das Ziel unserer zweiten Wanderung ist Wangara Lookout, ein Aussichtspunkt auf dem Rand des Beckens, von dem aus man sowohl in das gesamte Becken hinein, als auch über den Rand schauen kann. Die Strecke dieser Wanderung soll knapp 8 km betragen, die Gehzeit ist auch hier mit drei Stunden angegeben.
Der Weg ist hier anfangs deutlich einfacher zu gehen, da er ausgebaut und gut befestigt ist.
Kurz bevor wir am Ziel ankommen, erreichen wir Hills Homestead.

Dabei handelt es sich um ein steinernes Gebäude, das eine Familie britischer Siedler namens Hill hier im ausgehenden 19. Jahrhundert errichtet hat. Die Familie hatte eine Farm in Glenallen und der Vater kaufte hier im Pound Land, um Getreide anzubauen. Seine Hoffnung – die sich zunächst auch erfüllte – war, dass durch die besondere Lage des Beckens hier zuverlässiger Regen fallen würde als außerhalb. Dann gab es aber Jahre großer Dürren und andererseits auch fürchterliche Überschwemmungen, sodass der Landbesitz schließlich um 1920 herum wieder aufgegeben wurde.
Neben dem Gebäude sind noch einige Gegenstände ausgestellt, die die Familie zurückgelassen hat.

An mehreren Stationen entlang des Weges vor Hills Homestead sind Tafeln aufgestellt, auf denen die Geschichte jener Zeit nebeneinander jeweils aus Sicht der ältesten Tochter der Familie Hill und aus der Sicht eines gleichaltrigen Mädchens aus dem Volk der Adnyamathanha dargestellt ist. Diese Schilderungen machen uns ziemlich betroffen. Aus Sicht der europäischen Siedler waren die ständigen Misserfolge und Rückschläge sicher schwer zu verkraften. Wie die Siedler allerdings mit den Aborigines umgegangen sind, ist für uns noch schwerer zu verdauen. So sagt die Frau aus dem Stamm der Adnyamathanha an einer Stelle, dass die Ureinwohner bis ins Jahr 1967 nicht als Menschen betrachtet wurden, sondern den Stellenwert von Flora und Fauna hatten.
Etwas ähnliches hatten wir bereits auf einer Tafel am Arkaroo Rock gelesen:

Sinngemäß übersetzt:
In gerade einer Generation, von 1850 bis 1880, haben europäische Siedler Besitz an unserem Land genommen. Wir strauchelten, wir litten, wir leisteten Widerstand, wir bluteten. Viele von uns sind gestorben. Aber wir sind noch da.
Wir bleiben eine lebende Kultur. Wir haben unsere Sprache und unsere Weisheiten beibehalten. Unser Kontakt mit und unsere Verpflichtung dazu unser traditionelles Land zu respektieren bleibt stark. Unsere Reise geht weiter.
Diese Sätze haben uns nachhaltig und tief bewegt, weil uns dieser Umstand in solcher Deutlichkeit noch nie vor Augen geführt wurde.
Nach Hills Homestead sieht der Weg auf den letzten ca. 500 Metern nach oben dann ähnlich aus wie am Akaroo Rock. Durch die ergiebigen Niederschläge der vergangenen Tage und Wochen ist es stellenweise sehr feucht. Der Weg führt entweder über große flachen Steine oder durch nassen, matschigen Sandsteinboden. In dieser Kombination ergibt das eine ziemlich rutschige Angelegenheit. Wir sind daher froh, als wir am ersten von zwei Aussichtspunkten angekommen sind.

Von oben ergibt sich ein fantastischer Blick in das Becken. Die Panoramaaufnahme verzerrt das ganz natürlich, aber nur so ist der Blick mit der Kamera zu erfassen.
Auf dem Weg zum zweiten, etwas höher gelegenen Aussichtspunkt kommen wir an einer Stelle vorbei, an der man tatsächlich über den Rand hinüber nicht nur in das Becken, sondern auch nach draußen heraus schauen kann.

Der Ausblick vom zweiten Aussichtspunkt zeigt sich dann ähnlich wie vom ersten.

Bei genauem Hinsehen sind von oben tatsächlich noch die gerodeten Flächen zu sehen, auf denen die Familie Hill vor über 100 Jahren Getreide anbaute. Es handelt sich um die heller grünen Flächen im Buschland auf dem nachfolgenden Bild.

Nachdem wir die Aussicht eine Zeit lang genossen haben, machen wir uns wieder auf den Abstieg. An Hills Homestead machen wir ein Picknick und kehren dann zum Visitor Center, wo unsere Wanderung begonnen hat, zurück.
Unterwegs treffen wir noch auf eine Gruppe wilder Ziegen, die abseits des Weges im Unterholz grasen.

Auch einen Redbreasted Robin, einen kleinen Vogel, ähnlich einem Rotkehlchen, bekommen wir zu Gesicht.

Nachdem wir morgens auf dem Weg zu unseren Ausflügen auf einer Wiese noch im Ortsbereich von Hawker zwei Kängurus gesehen haben, treffen wir auf der Rückfahrt zu unserem Motel eine Gruppe von drei Emus, die seelenruhig am Straßenrand fressen.

Nachdem wir das Motel erreicht haben, neigt sich der Tag auch schon wieder dem Ende entgegen. Auch heute bietet sich wieder das Spektakel eines atemberaubenden Sonnenuntergangs.

Unsere Wanderungen haben wir wieder mit Komoot aufgezeichnet. Hier könnt ihr euch die Aufzeichnugen ansehen:
Arkaroo Rock:
und Wangara Lookout:




Mich erinnert das mit den Homesteads und der Umgang mit der indigenen Bevölkerung total an den Westen der USA. Und wie Rebecca sagte: Cool, dass ihr Emus gesehen habt!
Der Umgang mit der indigenen Bevölkerung hier ist durchaus zwiespältig. Nach meiner persönlichen Empfindung wird das koloniale Erbe hier in Australien immer noch sehr glorifiziert. Ich werde gleich in dem Beitrag zu unserer heutigen Tour noch etwas dazu schreiben.
Schön, dass ihr Emus zu sehen bekommen habt, die sind ja an der Küste nicht mehr so verbreitet.
Mich macht es auch immer total betroffen, dass die australischen Ureinwohner erst 1967 als Menschen anerkannt wurden und wie viel Kultur durch den Umgang mit ihnen verloren gegangen ist.
Ich war ziemlich vorsichtig bei den Emus. Ich habe mich an euer Erlebnis auf der einen Fahrt nach Broken Hill erinnert. Auch wenn ich sie nicht hätte fotografieren wollen, wäre ich langsam am Randstreifen dran vorbei gefahren. Gerade als ich angehalten hatte ist dann aber ein SUV mit Camper mit mindestens 100 km/h dran vorbeigedonnert. Völlig schmerzfrei!