Den heutigen Tag lassen wir erst mal gemütlich angehen. Wir schlafen wirklich aus und frühstücken in aller Ruhe. Draußen sieht es nicht besonders gemütlich aus, es ist eher grau und schauert immer mal wieder ziemlich heftig. Während wir frühstücken wird es dann aber heller und so brechen wir gegen 10:00 Uhr zu unserer heutigen Tagestour auf.
Unser erstes Ziel ist der Mount Lofty. Der Berg liegt in den Adelaide Hills und soll einen tollen Überblick über die Stadt bieten.
Die Adelaide Hills sind eine Hügel- / Bergkette im Osten der Stadt. Der Mount Lofty liegt in deren südlichem Teil und erhebt sich bis auf eine Höhe von 710 Metern über den Meeresspiegel. Von seiner Kuppe aus hat man einen weitestgehend freien Blick von Südwest über West nach Norden. Direkt im Westen des Hügels liegt Adelaide.
Leider ist die Aussicht wegen des bedeckten Himmels und der tief hängenden Wolken nicht besonders gut. Außerdem weht auf der Hügelkuppe auch noch ein recht kalter und unangenehmer Wind.
Trotzdem beschließen wir, den kleinen Rundweg um den Gipfel zu gehen. Wir umrunden den Berg und kommen recht schnell auf seine Kuppe zurück. Neben einem Beobachtungsturm, der als Meldestelle für Buschfeuer dient, ist hier auch noch eine steinerne Säule aufgestellt, die an den britischen Entdecker Matthew Flinders erinnert, der als erster Europäer den Mount Lofty entdeckt haben soll und ihm seinen Namen gab.


Wir statten dann auch noch dem Besucherzentrum einen Besuch ab. Dort kommen wir mit einer sehr netten Dame ins Gespräch. Als wir ihr erzählen, dass wir weiter nach Hahndorf fahren wollen, gibt sie uns noch Tipps, was wir uns unterwegs ansehen könnten.
Eine Empfehlung der Dame nehmen wir auf dem Weg dann tatsächlich an. Es handelt sich um ein landwirtschaftliches Anwesen in einem Ort namens Verdun, in dem eine Käserei, eine Brauerei und ein Restaurant betrieben werden. Da es gerade allerbeste Mittagszeit ist, beschließen wir, uns dort eine Käseplatte zu genehmigen. Ich trinke dazu ein hausgebrautes Pacific Ale und Monika einen naturtrüben Apfelcidre aus hauseigener Produktion. Sowohl der Käse als auch die Getränke begeistern uns beide.



Dermaßen gestärkt setzen wir unsere Fahrt nach Hahndorf fort. Dort angekommen, parken wir unseren Mietwagen auf einem Parkplatz am Ortsrand und gehen einmal die Hauptstraße entlang bis zum anderen Ende des Ortes und wieder zurück.
Der Ort Hahndorf ist eine der ältesten deutschen Siedlungen in Australien. Er wurde im Jahre 1839 von Lutheranern gegründet, die die Provinz Schlesien im damaligen Königreich Preußen wegen religiöser Unruhen verlassen mussten (kurzer Hintergrund). Die Siedler von Hahndorf kamen überwiegend aus der Ortschaft Kay, dem heutigen Kije in der Woiwodschaft Lubusz (Lebus) in Polen. Sie erreichten Australien mit einem Schiff namens Zebra, dessen Kapitän ein gewisser Dirk Hahn war. Ihm zu Ehren wurde der Ort benannt. Die Namen der ersten 52 Siedlerfamilien, die Hahndorf gegründet haben, sind auf einem Denkmal im Ort verewigt.


Im Ort selbst ist viel historische Bausubstanz aus den ersten Jahren der Besiedlung erhalten geblieben. Auch neuere Gebäude sind häufig gut an den ursprünglichen Baustil angepasst worden. Die folgende Bildergalerie gibt einen kleinen Überblick.










Theoretisch hätte sich das ganze Dorf sehr passend als ein großes Freilichtmuseum oder Museumsdorf geeignet. Leider ist der Ort aber – dem aktuellen Zeitgeist angepasst – völlig überkommerzialisiert worden. In nahezu allen Gebäuden im Ort befinden sich Läden, Restaurationsbetriebe oder Hotels. In einigen wenigen Läden werden lokale kunsthandwerkliche Produkte angeboten. Der überwiegende Teil jedoch bietet Waren, Speisen oder Getränke an, von denen man in Australien wohl annimmt, dass sie typisch deutsch sind.









Aus nahezu allen Gastwirtschaften dudelt alpenländische Musik. Schnitzel, Bratwurst, Schweinshaxe und Sauerkraut findet sich auf jeder Speisekarte. In den Bäckereien und Cafés werden Schwarzwälder Kirschtorte, Bienenstich und Käsekuchen angeboten.
Selbst die öffentlichen Toiletten, die wir bei unseren vorherigen Besuchen in Australien durchweg als wohltuend ordentlich und sauber kennen gelernt haben, haben hier eher den üblichen deutschen Verschmutzungsgrad.
Anfangs finden wir die Szenerie ja noch ganz lustig, je länger wir uns allerdings dort aufhalten, desto befremdlicher wirkt der Ort auf uns.
Wir hätten uns gewünscht, in Hahndorf deutlich mehr über den geschichtlichen Hintergrund und die Bedeutung der deutschen Siedler für die Besiedlung Australiens zu erfahren. Offen blieb für uns zum Beispiel die Frage, warum ausgerechnet Siedler aus dem damals preußischen Schlesien, wo es ja gar keinen Weinbau gibt, den Weinbau nach Australien brachten. Die Adelaide Hills sind heute eines der bekanntesten Weinbaugebiete in Südaustralien.
Das wird uns auch auf unserem Rückweg von Hahndorf nach Adelaide deutlich. Wir haben uns entschlossen, nicht den kürzeren Weg über den Freeway, sondern über eine landschaftlich schöne Straße zu fahren. Dort passieren wir zunächst ausgedehnte Rebflächen und eine Vielzahl von Weingütern. Weiter oben in den Hügeln finden sich dann große Obstplantagen.
Leider ist die Straße nicht nur steil, sondern teilweise auch sehr eng und kurvenreich. Zu allem Überfluss fängt es dann noch an zu regnen, und als kurz darauf die tief stehende Sonne wieder gleißend durch die Wolken bricht, wird sie Sicht schwierig. Dadurch wird die Rückfahrt doch eher anstrengend. Schließlich kommen wir aber wohlbehalten wieder an unserem Hotel an, wo wir den Abend gemütlich ausklingen lassen.


Das klingt ja ein bisschen nach einer Disneyland-Version von Deutschland…
Genau so habe ich mich auch ein Stück weit gefühlt. Nur dass es nicht so bunt und glitzernd war.