Der heutige Tag wird wieder etwas ruhiger. Vormittags wollen wir zunächst der Markthalle einen Besuch abstatten. Auf dem Weg vom Flughafen zum Appartement waren wir am Sonntag bereits dran vorbeigefahren. Dienstags sind alle Stände dort geöffnet, daher findet der Besuch heute statt.

In Adelaide gibt es – ähnlich wie in Mebourne – Bereiche, in denen die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos zu benutzen sind. Hier in Adelaide sind das zwei Buslinien, die gegenläufig – eine im Uhrzeigersinn und ein entgegen des Uhrzeigersinns – um die Innenstadt fahren. Mit einem solchen Bus sind wir am Sonntag bereits zur Mall gefahren, heute nehmen wir diesen Bus, um zur Markthalle zu gelangen.

Die Markthalle als solche ist nicht unbedingt spektakulär. Allerdings begeistert uns die Vielfalt und die Qualität des Angebots der Produkte. Von Gemüse über Fleisch und Fisch bis hin zu Käse und Backwaren, hier scheint die angebotene Ware frisch, regional und von guter Qualität zu sein. Das Angebot scheint sich augenscheinlich tatsächlich an „normale“ Endverbraucher zu richten. Lifestyle-Produkte – wie in vielen anderen Markthallen üblich – finden hier kaum Platz.

Einige für uns kurios anmutende Dinge wie Fischköpfe oder die Kiemen und Flossensäume von Fischen als Grundlage für Fischsuppen werden hier ebenfalls angeboten.

Da es auf die Mittagszeit zugeht, nehmen wir von einem der Stände zwei Pasteten mit und fahren anschließend mit dem Bus wieder zurück zu unserem Appartement. Wir essen die Pasteten und etwas mitgebrachtes Brot und Käse.

Dann fahren wir mit dem Auto in den etwa 15 Kilometer entfernten Stadtteil Port Adelaide zum South Australia Maritime Museum, dem südaustralischen Schifffahrtsmuseum.

Die Ausstellung ist durchaus interessant. Verschiedene Aspekte der Schifffahrt sowohl an den Australischen Küsten als auch in die „alte“ Welt finden Beachtung. Ein Abschnitt beschäftigt sich mit der Geschichte der Australischen Kriegsmarine, die überhaupt erst im Jahre 1901 gegründet wurde. Bis zu dieser Zeit war die Königlich Britische Marine für den Schutz der Gewässer um Australien verantwortlich. Diese Verantwortung ließen sich die Briten nur sehr ungern nehmen, weil dadurch natürlich auch ihre Macht über die Kolonien, die sie auch durch die militärische Abhängigkeit ausübte, geschmälert wurde.

Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der Immigration nach Australien, die naturgemäß ebenfalls auf dem Seeweg stattfand. Ähnlich wie im Auswandererhaus in Bremerhaven kann man dort in Datenbaken zu Personen, aber auch zu Schiffen und Häfen recherchieren.

Als wir die Liste der Häfen nach deutschen Auswandererhäfen durchsuchen und eigentlich Bremerhaven finden wollen, fällt uns der Hafen Altona ins Auge und dass von dort aus drei Schiffe mit deutschen Auswanderern nach Australien gefahren sind. Als wir uns die Liste der in Altona abgefahrenen Schiffe ansehen, fällt uns sofort das Schiff „Zebra“ auf, das ja die Auswanderer transportierte, die schließlich in Hahndorf siedelten, wo wir gestern waren.

Die Detailinformationen zu dem Schiff zeigen dann, dass es die einzige Reise war, die dieses Schiff mit Auswanderern nach Australien unternommen hat. Das Schiff unter dem Kapitän Dirk Meinerts Hahn hat am 11.08.1838 in Altona abgelegt und genau viereinhalb Monate später, am 27.12.1838 in Adelaide Harbor angelegt. An Bord befanden ich bei der Abreise neben 40924 Ziegeln 199 deutsche Auswanderer, von denen 11 die Reise nicht überlebten.

Als wir uns die Passagierliste anschauen stellen wir fest, dass es sich zum weitaus größten Teil um Menschen der Unterschicht, also Landwirte – aber keine Weinbauern -, Arbeiter und Handwerker handelte. Die erwerbsfähigen Männer hatten erstaunlicherweise meist schon ein Alter von über 50 Jahren erreicht. Überwiegend müssen ganze Familien ausgewandert zu sein, weil bestimmte Namen sich häufig wiederholen. Frauen und Kinder machten den größten Anteil der Passagiere aus. Alleinreisende und vor allen Dingen jüngere Männer waren kaum dabei.

Die Zebra hat dann am 12.02.1839 mit Ziel Batavia (Jakarta) den Hafen von Port Adelaide weder verlassen.

Nach dem Besuch des Museums regnet es gerade mal nicht, und so machen wir noch einen kurzen Spaziergang durch den Bereich des Hafens und des Ortsteils Port Adelaide.

Die Rückfahrt zum Appartement dauert dann im dichten Feierabendverkehr deutlich länger als die Herfahrt zum Museum gedauert hat.

Abendessen gönnen wir uns heute in einem benachbarten Pub.

Von Michael

3 Kommentare zu „In die Markthalle und ins Maritime Museum“
  1. Das Angebot in der Markthalle sieht gut aus! Es scheint ja wirklich ein überdachter Markt zu sein und nicht wie z.B. in Hannover einfach nur eine Ansammlung von „Fressbuden“.
    Das Museum klingt auch spannend, gerade mit der Einwanderer-Datenbank. Wenn man da betroffene Vorfahren hat, ist das bestimmt hilfreich.

    1. Ja, die Halle ist definitiv anders als die in Hannover, und auch anders als bspw. der Queen Victoria Market in Melbourne. Da gab es ja neben den Angeboten für den täglichen Bedarf auch noch jede Menge Tand zu kaufen.
      Die Datenbank zu den Einwanderungen kann man auch online im Internet durchsuchen. Da werde ich zuhause definitiv nochmal einen Blick reinwerfen.

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