Das Ziel unserer heutigen Aktivität liegt weiter im Landesinneren. Um rechtzeitig dort zu sein müssen wir erneut relativ früh aufstehen und nach dem Frühstück zunächst erst einmal „Strecke machen“. Die Anfahrt nach Walhalla, einer weiteren Goldgräberstadt, dauert etwa zweieinhalb Stunden.
Hier haben wir eine Fahrt mit einer historischen Eisenbahn und den Besuch einer Goldmine geplant.
Da wir sehr zeitig aufgebrochen sind, kommen wir unserem Ziel auch recht früh nahe. Auf der Anfahrt passieren wir Thomson River, den Zielbahnhof der geplanten Bahnfahrt. Dort steht noch der Zug aus der vorherigen Fahrt und macht sich gerade auf den Weg zurück nach Walhalla.

Walhalla ist eine kleine Ortschaft im Bundesstaat Victoria. Im Jahre 1862, also zehn Jahre nach den ersten Goldfunden in Australien (siehe meinen Bericht zum Besuch auf Sovereign Hill) kam ein Mann namens Ned Stringer in das Tal des Thomson River. Nahe der Stelle des heutigen Bahnhofs sah er im Bereich der Mündung eines Baches in den Fluss bereits mit bloßem Auge Gold am Grund des Flusses. Es handelte sich allerdings nicht um Nuggets, sondern um Goldstaub. Auf der Suche, woher das Gold kam, folgte man später dem Lauf des Baches aufwärts und gelangte an die Stelle des heutigen Ortes Walhalla. Dort trat ein goldhaltige Quarzader aus dem Berg an die Oberfläche. Der Bach hatte das Gold aus der Ader ausgewaschen und talwärts getragen, wo es sich gesammelt hatte.
Um das Gold abzubauen, errichtete man in Walhalla daraufhin mehrere Goldminen, in denen das goldhaltige Quarzgestein unterirdisch abgebaut wurde. Nach dem Transport an die Oberfläche wurde das Gestein zerkleinert und aus dem zerkleinerten Gestein das Gold herausgeschmolzen. Dabei konnte aus zwei Tonnen Gestein etwa eine Unze (etwa 30 Gramm) Gold gewonnen werden. Trotzdem wurden im Laufe der Zeit dort insgesamt über 40 Tonnen Gold abgebaut.
Wir fahren vom Thomson River mit dem Auto hinauf nach Walhalla und verschaffen uns erst einmal einen ersten Eindruck vom Ort. Dann begeben wir uns zum Bahnhof, weil wir zunächst die Zugfahrt machen wollen.

Die Bahn ist eine Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 2 Fuß und 6 Zoll (762 mm), die im Jahre 1910 eröffnet wurde. Ursprünglich diente die Bahn neben dem Personenverkehr dem Transport von Brennholz, das in den Dampfkesseln der Bergwerke benötigt wurde. Mit dem Bau der Bahn erhoffte man sich einen weiteren Aufschwung für die damalige Stadt. Unglücklicherweise waren bereits während des Baus der Bahn die Bergwerke nahezu unrentabel geworden. Nur fünf Jahre nach Eröffnung der Bahnstrecke, im Jahre 1915, schloss in Walhalla das letzte Bergwerk. Die Bahn konnte sich noch bis 1940 halten, dann wurde auch sie nach nur 30 Jahren Betriebszeit wieder geschlossen.
Im Jahre 1991 wurde die Walhalla Goldfields Railway Inc. mit dem Ziel gegründet, den völlig heruntergekommenen Streckenabschnitt zwischen Thomson und Walhalla wieder in Betrieb zu nehmen. Am 15. März 2002 fuhr der erste Zug auf dem wiederhergestellten Streckenabschnitt.
Der von uns gebuchte Zug fährt zunächst von Walhalla nach Thomson. Die Fahrt dauert etwa 20 Minuten. in Thomson hat der Zug etwa 20 Minuten Aufenthalt, in denen die Lokomotive Kopf macht, um vor das andere Ende des Zuges gespannt zu werden. Dann fährt der Zug etwa 20 Minuten zurück nach Walhalla.








Nach der Bahnfahrt essen wir in einem Café zu Mittag. Danach bummeln wir durch den Ort, von dessen ehemaligem Glanz aus der Goldgräberzeit nur noch zu ahnen ist. Während des Betriebs der Minen lebten hier ca. 4000 Menschen, heute zählt der Ort nur noch 16 Einwohner.








Nach der Ortsbesichtigung haben wir noch eine Führung durch einen der ehemaligen Stollen gebucht. Die Führerin zeigt uns in einem 45-minütigen Rundgang unter Tage einen Teil der ehemaligen Bergwerksanlagen und gibt Erläuterungen rund um den Betrieb des Bergwerks.
Das Bergwerk wurde 1865 in Betrieb genommen. Zunächst dauerte es acht Jahre, bevor im Bergwerk überhaupt Gold abgebaut wurde. Innerhalb der folgenden 18 Monate des Betriebs waren die Kosten für die vorhergehenden acht Jahre wieder erwirtschaftet und das Bergwerk arbeitete fortan rentabel. Die Stollen wurden bis zu einer Tiefe von über 1000 Metern abgeteuft. Damit lag die Sohle des Bergwerks fast 600 Meter unter dem Meeresspiegel. Am 15. Februar 1915 wurde die von uns besichtigte Long Tunnel Mine schließlich wieder geschlossen, weil sie unrentabel geworden war.







Während der Abbau unter Tage zunächst in reiner Handarbeit erfolgte, wurden später Druckluftwerkzeuge eingesetzt. Um den Strom für die Kompressoren zu erzeugen, wurden im Bergwerk selbst, also unter Tage, insgesamt fünf Dampfkessel betrieben, die täglich mit fünf Tonnen Holz befeuert werden mussten. Dieser enorme Holzverbrauch führte dazu, dass die einstmals bewaldeten Hügel in der näheren und weiteren Umgebung allesamt kahl waren. Erst nach dem Ende des Bergbaus entstanden hier neue Wälder.
Der Dampfbetrieb hatte aber auch Vorteile: Walhalla war eine der ersten Gemeinden in der Gegend, die ein Stromnetz hatten. Die Freude währte allerdings nicht lange. Nach der Schließung der Bergwerke wurde auch der Strom wieder abgestellt und es dauerte bis zum Jahre 1987, bis die Ortschaft wieder an das öffentliche Stromnetz angeschlossen wurde.
Uff, wenn für 30g Gold zwei Tonnen Fels abgebaut wurden, muss da ja ganz schön viel Gestein bewegt worden sein!
In jedem Fall. Die Abraumhalde war nicht gerade klein, aber das meiste ist wohl unter Tage wieder verfüllt worden.